Pilger des Herrn – Ein Nachruf
Peregrin, Pilger — diesen Ordensnamen erhielt Albert Freymadl, geboren am 10. November 1929 in Eichendorf in Niederbayern, als er 1957 in Dietfurt das Noviziat im Minderbrüderorden begann. Und er hat sich ein langes Leben hindurch bewusst als Pilger verstanden. In seinem völlig zerbeteten Brevier hat er auf Latein handschriftlich Psalm 39,13 notiert: Schweige nicht, Herr’ Denn ich bin ein Fremdling vor dir — und ein Pilger! Peregrinus sum apud te!
Tatsächlich hat P. Peregrin viele Wege zurückgelegt in seinen 95 Lebensjahren. Nach dem Abitur in Straubing studiert er zunächst Rechtswissenschaften, bevor er sich zum Eintritt in den Franziskanerorden entschließt. Er studiert in München St. Anna Philosophie und Theologie, legt dort am 21. November 1961 die Feierliche Profess ab und wird am 22. Dezember 1963 in München St. Gabriel von Weihbischof Johannes Neuhäusler zum Priester geweiht. Die ersten Jahre des jungen Priesters sind bewegt: 1965 kommt er als Seelsorger nach Amberg, wechselt ein gutes Jahr später nach Landshut, ist seit Anfang 1970 Religionslehrer in Kaufbeuren und wird noch Ende des gleichen Jahres Kaplan in München St. Anna. An den nächsten beiden Stationen seines Pilgerwegs kann er länger verweilen: 1973 wird er als Pfarrer nach Klosterlechfeld versetzt und ist später auch für die Seelsorge im benachbarten Untermeitingen verantwortlich. Von 1984 bis 1992 arbeitet er in Bad Tölz als Kurseelsorger und zeitweilig auch als stellvertretender Noviziatsleiter. Anschließend ist er jeweils ein Triennium Guardian, zunächst in Amberg und dann in Freystadt, wo er auch den OFS geistlich begleitet. Schließlich kommt seine Zeit als Wallfahrtsseelsorger: ab Herbst 1998 in Vierzehnheiligen, seit Herbst 2002 in Gößweinstein und ab Herbst 2009 auf dem Engelberg.
Im Sommer 2022 legt sein fortgeschrittenes Alter, er ist inzwischen fast 93, den Umzug in die Seniorenkommunität in Fulda nahe. Obwohl seine Kommunikationsmöglichkeiten durch die zunehmenden Seh- und Hörschwächen stark eingeschränkt sind, nimmt er treu und innerlich zufrieden am Gemeinschaftsleben teil, von den Mitarbeitenden im Theresienheim liebevoll begleitet.
Pilger war er, aber doch fest verwurzelt in einer lebendigen Frömmigkeit. P. Peregrin war ein großer Beter und glühender Marienverehrer, davon zeugt auch sein zweiter Ordensname Maria. Mit Freude hat er auf dem Engelberg die monatlichen Fatima-Gebetstage gestaltet. „Wo gibt es denn so was, ein Kloster ohne Messer”, reagiert er erstaunt, als im Theresienheim einmal aufgrund gehäufter Krankheitsfälle ausnahmsweise die tägliche Eucharistiefeier ausfallen muss. Kernig und vital ist er in seinen jungen Jahren, spielt ebenso gut Gitarre wie Fußball, in der Bezirksliga und später noch im Kloster, singt und predigt mit kräftiger Stimme. Als großer Freund der Natur ist er ein geübter Bergsteiger und hat eine besondere Liebe zu Katzen. Noch mit 90 Jahren trifft er sich auf dem Engelberg gerne und regelmäßig mit guten Bekannten in geselliger Runde.
Shalom, so lautete in den letzten Monaten, da er fast taub ist, sein regelmäßiger Gruß. Zehn Tage vor dem Heiligen Abend hat sich der Advent seines Lebens erfüllt: Er darf die Ankunft des Herrn erfahren, zu dem er ein Leben lang als Pilger unterwegs war, und eingehen in seinen Frieden.
Pater Peregrins Sterbebild
Gebet (GL 608,4):
Kommt herzu, ihr Heiligen Gottes, eilt ihm entgegen, ihr Engel des Herrn. Nehmt auf seine Seele und führt sie hin vor das Antlitz des Allerhöchsten.
Christus nehme dich auf, der dich berufen hat, und in das Himmelreich sollen Engel dich geleiten.
Nehmt auf seine Seele und führt sie hin vor das Antlitz des Allerhöchsten.
Herr gib ihm die ewige Ruhe, und das ewige Licht leuchte ihm.
Nehmt auf seine Seele und führt sie hin vor das Antlitz des Allerhöchsten.
Herr, unser Gott, wir empfehlen dir unseren Bruder Peregrin. In den Augen der Welt ist er tot. Lass ihn leben bei dir. Und was er aus menschlicher Schwäche gefehlt hat, das tilge du in deinem Erbarmen. Durch Christus, unsern Herrn.
Amen.