Weltkirche

Papst Benedikt XVI. – mein Lehrer und Wegbegleiter

Pfarrverband Eichendorf am 03.01.2023

Benedikt 241016 Foto: Manuel Schlögl

Prof. Dr. Manuel Schlögl war von 2007-2009 Kaplan im Pfarrverband Eichendorf und ist nun Professor für Dogmatik und Ökumenischer Dialog an der Kölner Hochschule für Katholische Theologie. Außerdem ist er Mitglied des Schülerkreises des verstorbenen Papstes und stand in engem Kontakt mit Papst em. Benedikt XVI. In einem kurzen Bericht gibt Prof. Dr. Schlögl Einblicke in seine Begegnungen mit dem Verstorbenen.

Lie­be Lese­rin­nen und Leser!

Ger­ne kom­me ich der Ein­la­dung des Eichen­dor­fer Pfarr­teams nach und erzäh­le Ihnen von mei­nen per­sön­li­chen Begeg­nun­gen mit unse­rem eme­ri­tier­ten Papst Bene­dikt XVI., der am letz­ten Tag des Jah­res 2022 nach einem lan­gen erfüll­ten Leben mit und für die Kir­che heim­ge­gan­gen ist.

Natür­lich habe ich als Theo­lo­gie­stu­dent Joseph Ratz­in­ger zuerst über sei­ne Bücher ken­nen­ge­lernt. Im Febru­ar 2005 mach­ten die Pas­sau­er Semi­na­ris­ten mit Bischof Wil­helm Schraml eine ein­wö­chi­ge Rom­rei­se; dort durf­te ich als frisch geweih­ter Dia­kon an einem Got­tes­dienst mit Kar­di­nal Ratz­in­ger mit­wir­ken und erleb­te ihn als sehr ernst und kon­zen­triert auf das hei­li­ge Gesche­hen. Kurz danach war er Papst und ich Pries­ter, man spür­te ein neu­es Inter­es­se an Glau­be und Kir­che und sprach bald von einer Genera­ti­on Benedikt.“

Ein Mensch, der einem alle Aufregung nahm

So bin ich wie vie­le ande­re mei­ner Mit­brü­der mit Papst Bene­dikt XVI. groß gewor­den“, und es kam mir fast wie ein Traum vor, als ich im Som­mer 2009 zum ers­ten Mal am Tref­fen des Neu­en Schü­ler­krei­ses in Cas­tel Gan­dol­fo teil­nahm und dort auch dem Papst per­sön­lich vor­ge­stellt wur­de. Ich war sehr auf­ge­regt – und erleb­te dann Bene­dikt XVI. als einen Men­schen, der einem alle Auf­re­gung nahm, der gut zuhö­ren konn­te und warm­her­zig antwortete. 

Die Geschich­ten über Pro­fes­sor Ratz­in­ger, die ich bei den Begeg­nun­gen mit sei­nen alten Schü­lern hör­te, fand ich so span­nend, dass ich dar­über zwei Bücher schrieb: Joseph Ratz­in­ger in Müns­ter“ (Dia­log­ver­lag 2012) und Am Anfang eines gro­ßen Weges. Joseph Ratz­in­ger in Bonn und Köln“ (Ver­lag Schnell und Stei­ner 2014). Ich besuch­te vie­le frü­he­re Stu­den­ten, Mit­ar­bei­ter, Kol­le­gen und Nach­barn von Papst Bene­dikt, inter­view­te zum Bei­spiel Nor­bert Blüm und Kar­di­nal Leh­mann und lern­te so immer mehr über die­sen gro­ßen Leh­rer des Glau­bens. Beson­ders sei­ne Pre­dig­ten, die ich bei den jähr­li­chen Schü­ler­kreis­tref­fen haut­nah erleb­te, haben mich nach­hal­tig geprägt und fas­zi­niert. So sam­mel­te ich eini­ge beson­ders schö­ne oder auch noch unbe­kann­te Tex­te und stell­te dar­aus vier Pre­digt­bän­de zusam­men, die zwi­schen 2016 und 2019 im Johan­nes-Ver­lag erschie­nen sind.

Gespräche mit Benedikt XVI. waren „kostbarer Schatz“

Jedes Jahr flog ich nun nach Rom und über­reich­te dem mitt­ler­wei­le eme­ri­tier­ten Papst eine Kis­te voll mit die­sen Bänd­chen, die er dann ger­ne an sei­ne vie­len Freun­de ver­schick­te. Ins­ge­samt sie­ben­mal durf­te ich für jeweils eine Stun­de bei ihm zu Gast sein, meis­tens unter vier Augen, in sei­nem fast über­ir­disch ruhi­gen, gepfleg­ten, mit kost­ba­ren Geschen­ken aus­ge­stat­te­ten Ruhe­sitz, dem Monas­te­ro Maria Mater Eccle­siae inmit­ten der Vati­ka­ni­schen Gär­ten. Die­se Gesprä­che mit ihm bewah­re ich als einen kost­ba­ren Schatz in mei­nem Herzen.

Benedikt XVI. bezeichnet Schlögl als „Freund“

Natür­lich bemerk­te ich von Jahr zu Jahr, wie ihm das Alter und auch die Kri­se der Kir­che, das Weg­blei­ben der Gläu­bi­gen und die Kämp­fe zwi­schen ver­schie­de­nen Grup­pie­run­gen zusetz­ten. Alt zu wer­den, ist kei­ne Gna­de“, seufz­te er ein­mal. Zugleich aber erleb­te ich sei­nen Geist und Humor, sein unglaub­li­ches Gedächt­nis und sein ech­tes Inter­es­se an mei­nem Weg, mei­nem Stu­di­um, mei­nen ers­ten Erfah­run­gen an der Hoch­schu­le. So wur­de Papst Bene­dikt XVI. aus einem Leh­rer, den man eher aus der Fer­ne sieht und bewun­dert, zu einem wirk­li­chen Weg­be­glei­ter, der sei­ne Brie­fe mit sei­nem väter­li­chen Segen“ beschloss und mich ande­ren gegen­über vor kur­zem als einen Freund“ bezeich­ne­te, was mich beson­ders berührt hat.

So wie vie­le ande­re wer­de ich ihn ver­mis­sen, sei­ne stil­le Prä­senz, sein Wohl­wol­len, sein kla­res Urteil. Und doch hat er uns ein rei­ches Erbe hin­ter­las­sen, des­sen wah­re Bedeu­tung für die Erneue­rung der Kir­che man in den kom­men­den Jahr­zehn­ten erst noch ent­de­cken wird; und er wird aus der gren­zen­lo­sen Lie­be Got­tes her­aus, in die er nun ein­ge­tre­ten ist, allen ein mäch­ti­ger Für­spre­cher sein, die sich in ihren Anlie­gen an ihn wenden.

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