Pfarrgemeinderatsmitglied Klaus Ott aus Indersbach hatte vor einiger Zeit die Idee, dass sich der Pfarrverband doch auch einmal gemeinsam mit dem Rad auf eine Wallfahrt begeben könnte. Schnell fanden sich Unterstützer dafür. Getreu dem „Motto“ des Psalms 25, „Zeige mir, HERR, Deine Wege und lehre mich Deine Pfade!“, hatte Pater Joshy für Samstag, 27.07.2024, alle, die sich die insgesamt ca. 70 Kilometer lange Strecke ins Wallfahrtsland Sammarei und wieder zurück zutrauten, eingeladen, an diesem Vorhaben teilzunehmen.
Ein großer Teil der insgesamt 45 angemeldeten E‑Bikerinnen und ‑Biker stand pünktlich am Pfarrzentrum bereit, um nach dem Reisesegen, den der Geistliche zu Beginn des Tages spendete, gemeinsam in die Pedale zu treten und Richtung Galgweis aufzubrechen. In zwei Gruppen aufgeteilt machten sich die Pedal-Pilger über den Radweg nach Enzerweis und Dornach auf. Bei der neugeschaffenen Querung vor Schlag ging es dann in Richtung Reichstorf und von dort aus nach Galgweis, wo am Kirchenvorplatz bereits ein Empfangskomitee aus Paters Joshys vormaligem Pfarrverband Altenmarkt bereitstand, um die Wallfahrergruppe herzlich zu begrüßen. Mesnerin Luise Brandl hatte alles für den geistlichen Impuls, den Gemeindereferentin Gertraud Dickgießer vorbereitet hatte, bereitgestellt. Nach einem gemeinsamen Lied, das Gertraud Dickgießer an der Gitarre anstimmte, beteten alle abwechselnd in dem Gotteshaus, das dem Heiligen Petrus und dem Heiligen Paulus geweiht ist, den Psalm 25.
Feierlicher Gottesdienst in Sammarei gefeiert
Pfarrgemeinderatsmitglied Sebastian Albert, der die Organisation des Tages übernahm, nahm anschließend die endgültige Bestellung der Radpilger für das Mittagessen auf, ehe die E‑Drahtesel zur Weiterfahrt gesattelt wurden. Vorwiegend weitab der starkbefahrenen Straßen ging es dann über Beutelsbach nach Sammarei. Vor der prächtigen Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt warteten schon diejenigen Wallfahrer aus dem Pfarrverband Eichendorf, die sich mit dem Auto auf den Weg zur Gottesmutter gemacht hatten. Die Mesnerin von Sammarei, Anita Schneider, hatte — als die beiden Radgruppen eintrudelten — schon alles für das Heilige Amt vorbereitet. Die Ministranten, die Geschwister Rebecca und Rafael Altmann aus Eichendorf waren flugs eingekleidet. Auch Organist Martin Krempl stand schon bereit, um mit Pater Joshy die Liedauswahl abzustimmen. Kurz vor Beginn des Gottesdienstes wurden noch Wasserflaschen, die Sebastian Albert vorsorglich angeschafft hatte, an die durstigen Pilger verteilt. Pater Joshy freute sich, auch im Namen seines Konzelebranten Pater Jipson und der Gemeindereferentin Gertraud Dickgießer, die so zahlreich erschienenen Gläubigen in der Wallfahrtskirche begrüßen zu dürfen. Nach den Kyrierufen und der von Stephanie Altmann vorgetragenen alttestamentlichen Lesung, verkündete Pater Jipson das Evangelium.
Von Wundern damals und heute
Pater Joshy ging in seiner Predigt auf die Frohe Botschaft ein und stellte fest, dass außer Frage stehe, dass für Jesus, den Sohn des allmächtigen Gottes, nichts unmöglich sei. So hätte sich eigentlich schon damals niemand wundern müssen, als die Wunder passiert sind. Der Prediger betonte in seiner Ansprache die wichtige Rolle der Frauen für die Gesellschaft, die Kirche und den Glauben und meinte, dass es ein Wunder gewesen sei, wenn die meist doch sehr fürsorglichen Frauen, die zudem in der Mehrzahl waren, ihren geliebten Männern und Kindern nichts zum Essen eingepackt hätten. Und dann habe es bloß einen kleinen Buben gegeben, der seine fünf Gerstenbrote und zwei Fische mit den anderen teilen wollte. Bloß einen, der kein Egoist war. Vielleicht sei ja auch das das Wunder gewesen: Dass die anderen — nachdem Jesus das, was für so viele so wenig gewesen sei, in der ersten Reihe ausgeteilt hatte — auch angefangen haben, das, was sie dabei hatten, mit den anderen zu teilen. Und dann seien — nachdem alle satt waren — auch noch zwölf Körbe voll Brot übriggeblieben. „Heute braucht es gar keine Wunder mehr! Es ist nur notwendig, dass diejenigen, die etwas haben — sei es Zeit, Kraft, Mut, Erfahrung, Glauben etc. -, es einfach mit denen, die nichts oder nicht so viel davon haben, teilen!“, beendete der Geistliche seine Predigt. Zum Schluss des Gottesdienstes segnete Pater Joshy die Andachtsgegenstände, die die Radpilger am Devotionalienstand zuvor erworben hatten und spendete den Schlusssegen.
Interessanter Einblick in die Geschichte der Kirche
Nach dem feierlichen Gottesdienst, dessen musikalische Gestaltung Organist Martin Krempl an der ältesten Orgel des Bistums Passau übernommen hatte, lud Mesnerin Anita Schneider zu einer Kirchenführung ein. Mit ihrer sympathischen Art und ihrem umfangreichen Wissen über das beeindruckende Gotteshaus und seine Geschichte begeisterte sie ihre Zuhörerinnen und Zuhörer auf Anhieb. Die heute hinter dem Hochaltar befindliche Holzkapelle wurde 1521 erbaut. Im Winter 1619 brach in der zur Ortschaft gehörenden Mühle — wohl durch eine Staubexplosion — ein verheerendes Feuer aus. Der gesamte damalige Gutshof lag in Schutt und Asche — mit Ausnahme der Kapelle, die aus demselben Holz wie die übrigen Gebäulichkeiten errichtet worden war. Der beim Kapelleneingang stehende und auch dem Brand zum Opfer gefallene Apfelquittenbaum habe an einem Ast, der über der Kapelle hing, im Frühjahr 1620 neu ausgetrieben und noch köstlichere Früchte als zuvor getragen. Als Kurfürst Maximilian von diesen wundersamen Ereignissen erfuhr, ließ er zehn Jahre später über der Holzkapelle eine Kirche — die heutige Wallfahrtskirche Sammarei — erbauen. Das Wort ‚Sammarei‘ leite sich von „Sankt Marei“, also der damals üblichen Kurzform von „Heilige Maria“, ab. In und um die Holzkapelle haben gut 1.300 Votivtafeln Platz gefunden. Anita Schneider wies besonders auch auf die Einrichtung des Gotteshauses hin. Spätestens jetzt kannte jeder den „Sammareier Engel“, der auch gerne „G’schlamperter Engel“ genannt wird: eine der 101 vom Pfarrkirchener Bildhauer Jakob Bendl geschnitzten Figuren, die den prachtvollen Hochaltar der Wallfahrtskirche Maria Himmelfahrt säumen, und in der sich der Künstler selbst verewigt habe. Außerdem sind im Hochaltar die fünf Gesätze des freudenreichen Rosenkranzes in Szenen dargestellt, was den Vorbetern manchmal eine gewisse Hilfe sei.
Danach ging es zum „Kirchenwirt“
Seelisch sowie kulturell und historisch mit vielen weiteren Informationen bestens gestärkt ging es vor das Kirchenportal zum gemeinsamen Erinnerungsfoto. Dann durfte natürlich — ganz im Sinne der erschlossenen Texte aus der Heiligen Schrift — die leibliche Stärkung für die 24 Männer, 32 Frauen und vier Kinder nicht fehlen. Nur ein paar Meter weiter ist der „Kirchenwirt“ gelegen, der die schon aufgrund der hohen Temperaturen durstigen Wallfahrer schnellstmöglich mit kühlen Getränken versorgte. Pater Joshy lud zum gemeinsamen Tischgebet ein. Und Schritt für Schritt verließen dann auch die bestellten Salate mit Putenstreifen, Currywürste und Wiener Schnitzel die Küche, in der der „Kirchenwirt“ selbst und alleinverantwortlich den Kochlöffel schwang. Diejenigen, die ihr Gericht zum Schluss bekamen, stellten einhellig fest, dass sich das Warten — nicht nur aufgrund der guten Gespräche — mehr als gelohnt habe. Pater Joshy dankte allen, die zum Gelingen der Radwallfahrt beigetragen hatten, ein herzliches „Vergelt’s Gott!“ aus. Anschließend machten sich die Wallfahrer wieder auf die Heimreise. Höchst zufrieden schmiedeten die begeisterten Radler schon bei ihrem zur abschließenden Abkühlung eingelegten Zwischenstopp an der Eisdiele am Aidenbacher Marktplatz die ersten Pläne für die nächstjährige Pedal-Wallfahrt.
Bericht und Fotos: Ulrich Altmann