Festgottesdienst

„Mein 30-jähriges Priesterjubiläum“ – Pater Joshys Ansprache im Wortlaut

Pfarrverband Eichendorf am 07.01.2026

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Anlässlich seines 30-jährigen Priesterjubiläums gab Pater Joshy in einer persönlichen Ansprache einen Einblick in sein Leben als Priester. Dabei sprach er unter anderem darüber, wie dieser Weg begann, mit welchen Herausforderungen er konfrontiert wurde und warum das Priestersein dennoch erfüllend ist. Hier finden Sie die Ansprache im Wortlaut.

Mein Weg zum Pries­ter­sein fing mit mei­ner Mut­ter an. Sie sah den Pries­ter in mir und flüs­ter­te in mein Ohr: ​„Du musst ein Pries­ter wer­den“ — seit ich den­ken kann. Durch mei­nen Minis­tran­ten­dienst, den Kon­takt mit mei­nem Ort­pfar­rer und den Ein­tritt mei­ner drei Schwes­tern ins Klos­ter wur­de auch mir mein Weg immer kla­rer. Nach der Pflicht­schu­le — mit 15 Jah­ren — trat ich in den Orden der Kamil­lia­ner ein — ein Orden, für den der Dienst an den Kran­ken obers­te Prio­ri­tät hat. Das Pries­ter­se­mi­nar wur­de mir mei­ne neue Hei­mat. Nach der Pries­ter­wei­he am 3. Janu­ar 1996 — mit knapp 26 Jah­ren — über­trug mir mein Orden die Auf­ga­be, ein neu­es Pries­ter­se­mi­nar in einem ande­ren Bun­des­land in Indi­en auf­zu­bau­en. Neue Spra­che, neue Kul­tur und frem­de Menschen.

Wie ein indischer Priester nach Europa kam

Nach­dem ich die­se Auf­ga­ben erfüllt hat­te, ver­trau­te mir mein Orden eine neue Auf­ga­be an: Den Auf­bau eines Reha-Zen­trums für HIV/AIDS-infi­zier­te Kin­der und deren Fami­li­en. Wie­der ein frem­des Bun­des­land. Weil damals AIDS eine stig­ma­ti­sie­ren­de Krank­heit war, war das Zen­trum in kur­zer Zeit über­füllt mit Kin­dern, deren Eltern und mit Men­schen, die von ihren Fami­li­en aus­ge­sto­ßen waren. Dies bedeu­te­te für den Orden eine sehr gro­ße finan­zi­el­le Belas­tung. Die Lösung war für uns, dass eini­ge Pries­ter von uns nach Euro­pa kom­men, hier arbei­ten und mit ihrem Ein­kom­men unse­re Pro­jek­te in Indi­en unter­stüt­zen. Nach mei­ner drei­ein­halb­jäh­ri­gen Tätig­keit in die­sem Zen­trum wähl­te mich mein Orden aus und schick­te mich als ers­ten von uns nach Wien ins Klos­ter der Kamil­lia­ner. Ent­spre­chend des Cha­ris­mas des Ordens arbei­te­te ich in Wien und anschlie­ßend in Salz­burg 12 Jah­re lang als Kran­ken­haus­seel­sor­ger. Von Salz­burg führ­te mich den Weg nach Pas­sau in Pfarr­seel­sor­ge. Nach mei­ner 5‑jährigen Tätig­keit als Pfarr­vi­kar im Pfarr­ver­band Alten­markt bin ich als Euer Pfar­rer zu Euch gekommen.

Ein Weg mit Höhen und Tiefen

Heu­te schaue ich auf 30 Jah­re im pries­ter­li­chen Dienst. 30 Jah­re — ein lan­ger Weg als Pries­ter. Es war ein Weg, der geprägt war von der Beglei­tung Got­tes in Höhen und Tie­fen, in schö­nen Zei­ten und auch in Kri­sen. Das Beten, das ich als Kind von der cha­ris­ma­ti­schen Bewe­gung gelernt habe, das Gott­ver­trau­en, das mir durch mei­ne Fami­lie geschenkt wur­de, mei­ne beson­de­re Bezie­hung zur Hl. Maria — sie blei­ben in mir immer noch eine wah­re Quel­le mei­nes pries­ter­li­chen und geist­li­chen Lebens. In Armut bin ich gebo­ren und auf­ge­wach­sen, aber Zuhau­se war nie eine Armut spür­bar in Bezug auf Glau­ben und Lie­be. Ich dan­ke Gott für mei­nen Glau­ben — sein Geschenk an mich. In den ver­gan­ge­nen 30 Jah­ren habe ich nie Zwei­fel gehabt, dass Gott mich führt. Aber immer wie­der habe ich dar­an gezwei­felt, ob die­ser Weg, der Weg als Pries­ter, der rich­ti­ge Weg ist. 

Mit 15 Jah­ren — mit sehr wenig Ahnung von der Welt — bin ich ins Pries­ter­se­mi­nar ein­ge­tre­ten. Bis zur Pries­ter­wei­he kamen wir nur wenig in Kon­takt mit der Außen­welt. Erst nach der Pries­ter­wei­he, durch ver­schie­de­ne Auf­ga­ben, kam es mehr und mehr zu Begeg­nun­gen mit allen Men­schen. Dann begann die Kri­se. Der Kampf zwi­schen dem begeis­ter­ten Pries­ter in mir und dem jun­gen Mann, der sich nach Lie­be und Nähe sehnt, blieb jah­re­lang mein Beglei­ter. Der Zöli­bat ist ein har­ter Ver­zicht. Es ist nicht ein­fach, dass man durch die­sen har­ten Ver­zicht nicht ver­bit­tert oder depres­siv wird und dass man dadurch sei­ne Freund­lich­keit und Mensch­lich­keit nicht verliert. 

„Ich ver­su­che, ein guter Seel­sor­ger für Euch zu sein.”

Pater Joshy

Pries­ter sein ist sehr anspruchs­voll. Die Ansprü­che von Men­schen sind unter­schied­lich. Für kon­ser­va­ti­ve Chris­ten muss du fast ein hei­li­ger Mann sein — einer der an den Vor­schrif­ten der Kir­che fest­hält mit wenig Rück­sicht auf die Men­schen. Sonst bist du zu offen. Für extrem Offe­ne muss du ein Fle­xi­bler sein, der alles mit­macht, was gefällt. Sonst bist du zu kon­ser­va­tiv. Ich ver­su­che, einen Zwi­schen­weg zu fin­den, um jedem von euch — so unter­schied­lich wie ihr seid — einen Zugang und eine Hei­mat in unse­rer Kir­che zu ermög­li­chen. Ich weiß, dass ich nicht jedem jeden Wunsch erfül­len kann. Doch ich ver­su­che, ein guter Seel­sor­ger für Euch zu sein. Als ein Kamil­lia­ner ist mein Leit­bild, vor allem den Kran­ken und Lei­den­den mein Herz und mein Ohr zu schen­ken. Ich ver­su­che, dem zu fol­gen, was der Hl. Kamil­lus — mein Ordens­grün­der — zu uns gesagt hat: ​„Legt mehr Her­zen in Eue­re Hände!“

Was bedeutet Heimat?

Wäh­rend mei­ner Tätig­keit in HIV/AIDS-Zen­trumha­be ich alle mög­li­chen Diens­te an den Men­schen geleis­tet: manch­mal als Pfle­ger, mal als Koch, als Gesprächs­part­ner, als Bestat­ter und als Lei­chen­trans­por­ter, weil nie­mand mit die­sen infi­zier­ten Men­schen etwas zu tun haben woll­te. Ich bin froh, dass ich wei­ter­hin ein Teil unse­rer Pro­jek­te für die Armen und Kran­ken blei­ben kann, indem ich sie mit mei­nem Ein­kom­men unter­stüt­ze. Da ich vor lan­ger Zeit mei­ne Hei­mat ver­las­sen habe, suche ich mei­ne Hei­mat gera­de dort, wo ich tätig bin. Ich bin froh für jede Auf­nah­me, die Ihr mir schenkt. Jede Auf­nah­me ist eine Bestä­ti­gung ​„Wir haben Dich gern!“. Da ich mit acht Geschwis­tern auf­ge­wach­sen bin, bin ich ein gesel­li­ger Mensch. Wenn mei­ne Haus­tür zugeht, weiß ich, dass die Ein­sam­keit auf mich war­tet. Dann freue ich mich sehr, wenn jemand mich ein­lädt, wenn jemand mich besucht, wenn jemand sich Zeit für mich nimmt.

„Ich ver­su­che, Euch das zu geben, was ich habe und was ich von Gott bekom­men habe.”

Pater Joshy

Ich weiß, dass ein Pries­ter spi­ri­tu­el­ler Pro­fi sein muss, ein empa­thi­scher Zuhö­rer und fähi­ger Mana­ger zugleich. Ich weiß, dass ein Pries­ter allen alles sein soll. In ers­ter Linie aber bin ich ein Mensch wie jeder ande­re. Ich ver­su­che, Euch das zu geben, was ich habe und das was ich von Gott bekom­men habe: Mei­nen Glau­ben, mei­ne Mensch­lich­keit, mei­ne Zeit, mein Wis­sen und mei­ne Freund­lich­keit. Mit mei­nen Wor­ten möch­te ich Euch hel­fen in Euren All­tags­pro­ble­men und den Fra­gen des Lebens. Ich bin froh, wenn das mir gelingt. Erfül­lend ist das Pfar­rer­sein für mich dort, wo Men­schen wirk­lich berührt wer­den; wo wir mit­ein­an­der das Leben und den Glau­ben tei­len. Das gelingt uns im Pfarr­ver­band Eichen­dorf zum Groß­teil. Das macht mich froh. Auch wenn die Kir­chen nicht über­füllt sind — Ihr bleibt immer treu. Das macht uns gegen­sei­tig glück­lich. Ihr habt mich ange­nom­men. Das lässt mich hier wohl­füh­len. Ihr steckt mich an mit Eurem leben­di­gen Glau­ben. Dafür bin ich sehr dank­bar. Mein 30-jäh­ri­ges Pries­ter­ju­bi­lä­um — das feie­re ich ger­ne mit Euch, denn ich füh­le mich bei Euch Zuhau­se. Ich bin dank­bar, dass Gott mich zu Euch geführt hat. 

Und ich blei­be offen dafür, wohin er mich noch füh­ren will, wo er mich noch braucht. Doch ein paar Jah­re möch­te ich ger­ne noch bei Euch blei­ben — wenn auch der lie­be Gott das will.

Pater Jos­hy Kan­ji­ratham­kun­nel MI

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