Drafi Deutschers „Weine nicht, wenn der Regen fällt!“ war wohl einigen der 96 Wallfahrer im Ohr, als sie am Morgen des vergangenen Samstags (02.08.2025) aus dem Fenster schauten. Pfarradministrator Pater Joshy, der die diesjährige Pfarrverbandswallfahrt ursprünglich - wie die letztjährige nach Sammarei - als reine Rad-Wallfahrt geplant hatte, hatte jedoch schon frühzeitig umdisponiert.
So versammelten sich im Laufe des späteren Vormittags die Teilnehmer vor dem Eichendorfer Pfarrzentrum, um Fahrgemeinschaften zu bilden und sich dann mit mehreren Pferdestärken auf den Weg zur Asambasilika St. Margaretha in Osterhofen-Altenmarkt zu machen. Vom Westen und von Osten her strömten die Pilger, deren Anmeldungen Fine Weber vom Pfarrbüro organisiert hatte, in das Kirchenschiff, wo Pater Joshys früherer Chef — Pfarrer Emanuel Hartmann — als Kirchenführer bereitstand und sie zunächst in den hinteren Kirchenbänken Platz nehmen ließ. Wer die Portale des Gotteshauses durchschreitet, scheint plötzlich in einer anderen Welt zu sein: im Himmel, von dessen Pracht die Künstler des Barock dem Kirchenbesucher mit zahlreichen Engeln und Heiligen einen Vorgeschmack geben wollten. Dass es draußen stark bewölkt war, ließ sich in der lichtdurchstrahlten Kirche — obwohl kein einziger Scheinwerfer eingeschaltet war — nicht mehr feststellen. Das war der Bauweise der ehemaligen Stiftskirche geschuldet, deren Rohbau im Jahre 1728 von Johann Michael Fischer vollendet worden war. Vom Vorgängerbau hatte der junge Münchner Maurermeister einzig die Untergeschosse des westlichen Turmpaares verwendet.
Pfarrer Hartmann erklärte den prachtvollen Kirchenraum
So mancher Wallfahrerin war die Basilika aus ihrer Zeit im Damenstift der Englischen Fräulein bereits bekannt. Doch Pfarrer Hartmann brachte den aufmerksamen Teilnehmern in seiner spannenden Führung viele Details des im Jahre 1982 zur päpstlichen Basilika erhobenen Gotteshauses und seiner Geschichte näher, auf dessen üppige innere Ausstattung das Kirchenäußere nicht auf Anhieb schließen lässt. Das Hochaltarbild, das die Kirchenpatronin kurz vor ihrer Hinrichtung zeigt, sowie Deckenbilder wurden in den Jahren 1731/1732 von Cosmas Damian Asam (der sich selbst — ganz versteckt als „armer Sünder“ — in einem Raum unterhalb der Empore abgebildet hat) mit seiner Werkstatt gemalt. Sein Bruder Egid Quirin stuckierte im gleichen Zeitraum die Decken und Wände und arbeitete bis 1735 an den Altären sowie am Chorgestühl. Besonderes Augenmerk widmete Pfarrer Hartmann neben den beiden Seitenaltären (also Rosenkranzaltar und dem Altar, der der Heiligen Mutter Anna und ihrer Verwandtschaft geweiht ist) dem Fresko unter der Orgelempore, das die Reinigung des Tempels durch Jesus zeigt, der auch Schafkopfkarten „zum Opfer“ fielen. Eine Schellen-Sau und die anderen Opfertiere der Geschäftemacher hatten dort schließlich nichts verloren.
Nach der Führung wurde Gottesdienst gefeiert
Der Geistliche freute sich sehr darüber, dass sich seine Gäste die Zeit nahmen, im Anschluss an die Kirchenführung gemeinsam Gottesdienst zu feiern, für den die Altenmarkter Mesnerin Anneliese Schratzmeier bereits alles vorbereitet hatte. So zogen Pater Joshy, sein Konzelebrant Pater Jipson und die Geschwister Rebecca und Rafael Altmann, die den Ministrantendienst übernahmen, von der Sakristei aus in das Presbyterium ein. Nach dem Kreuzzeichen stellte der Eichendorfer Pfarradministrator in seiner Statio heraus, dass „jeder von uns Talente und gute Fähigkeiten hat“, aber nicht jeder alles könne und auch nicht können müsse. „So ergänzen wir uns gegenseitig, helfen einander und sind eine richtige Gemeinschaft!“, betonte Pater Joshy. Lektor Sebastian Albert trug im Anschluss an das Kyrie und das Tagesgebet die alttestamentliche Lesung vor, in der — ausgehend von der Feststellung der Vergänglichkeit und Unverfügbarkeit des menschlichen Lebens und alles Irdischen überhaupt — nach den verbleibenden Möglichkeiten des Menschen, sich trotzdem Sinnerfüllung, Glück und Zufriedenheit im Leben zu verschaffen, gefragt wird. Pfarrvikar Pater Jipson verkündete das Lukasevangelium, in dem davon die Rede ist, dass Jesus von einem Mann gebeten wird, er solle ihm zu dem ihm zustehenden Erbe verhelfen, woraufhin Jesus das Gleichnis vom Kornbauern erzählt.
Was macht uns reich?
„Wir leben in einer Gesellschaft, die zunehmend gottlos und egoistisch wird. Immer mehr Menschen heute leben und empfinden so wie der Bauer im Evangelium: Sie suchen nur ihren Spaß, ihre Sicherheit. Für viele Menschen liegt der Sinn des Lebens darin, dass sie für sich möglichst viel herausholen. Versicherungen, Sparverträge, Fitnesstraining, Vorsorgeuntersuchung, gesunde Ernährung!“, eröffnete Pater Joshy seine Predigt. Er stellte dabei nicht in Frage, dass „wir das alles brauchen“, gab aber zu bedenken, dass es fraglich werde, wenn solche Dinge Ersatzreligionen würden, die Gott für diese Menschen ersetzen. Das sei auch das Schicksal des Bauers gewesen. „Kaum hat der Bauer im Gleichnis eine gute Ernte, blendet er Gott und seine Mitmenschen aus. Er sieht dann nur sich selbst und sein Vermögen!“, fuhr Pater Joshy fort. Für den Landwirt im Gleichnis bestehe der Sinn des Lebens in großem Vermögen und Überfluss. Vor Gott aber stürbe der Reiche als ein armer Mensch. „So wird es jedem ergehen, der nur für sich selbst Schätze sammelt, aber vor Gott nicht reich ist!“, mahne Jesus durch das Tagesevangelium. Wie es die Eichendorfer von ihrem Pfarradministrator daheim gewohnt sind, so gab dieser ihnen zum Schluss seiner Ansprache in Altenmarkt auch eine Frage mit auf den Weg: „Was macht dich reich und was blendet dich von Gott und von Mitmenschen aus?“
„Credo in unum Deum...“
Anschließend folgte das Credo, das — im wahrsten Sinne des Wortes — die tragenden Säulen der Kirche zum Ausdruck bringt. Wer den Text des Glaubensbekenntnisses nicht (mehr) auswendig kann, aber des Lateinischen mächtig ist, könnte an den Pfeilern der Asambasilika „spicken“, wo zwölf Sätze des Apostolischen Glaubensbekenntnisses den Apostelbildern auf Spruchbändern zugeordnet sind. Während der Gabenbereitung brachte Stephanie Altmann vom Eichendorfer Mesnerteam die Kollektenkörbchen zu den Gottesdienstbesuchern. So feierte die Gottesdienstgemeinde miteinander Eucharistie. Manchem wird dabei vielleicht in Erinnerung bleiben, dass die Uhr oberhalb der Empore gleich nach der Wandlung von Brot und Wein in den Leib und das Blut Christi mit zwölf Glockenschlägen auf die Mittagsstunde hingewiesen hat. In der Asambasilika kommt das Altarsakrament, für das im Gottesdienst Dank gesagt wird, besonders deutlich in dem zweiten der insgesamt neun Nebenaltäre, der dem Gründer des Prämonstratenserordens, dem Heiligen Norbert von Xanten, geweiht ist, zum Ausdruck. Den Umstand, dass den Erbauern der Basilika, als sie „hinten“ bei der „Königin der Instrumente“ angekommen waren, mehr oder weniger langsam das Geld ausging, ließ Organist und Kantor Lukas Salzberger, der bei dem feierlichen Gottesdienst alle Register der Eisenbarth-Orgel zog und den prächtig gestalteten Kirchenraum so auch noch mit Wohlklang erfüllte, schnell in Vergessenheit geraten.
Danach wurde im Gasthof eingekehrt
Nach dem Schlusssegen ging es durch den Regen — von vier wackeren Radpilgern eskortiert — zur leiblichen Stärkung nach Obergessenbach, wo die Wirtsleute Hans und Angie Kirschner ihren Landgasthof „Zur Linde“ extra für die Eichendorfer Wallfahrer aufgesperrt hatten. Flugs waren die Pilger vom Kirschner-Team mit Getränken versorgt worden. Und auch das Mittagessen, das sich die Wallfahrtsteilnehmer nach dem gemeinsamen Tischgebet schmecken ließen, hat nicht lange auf sich warten lassen. Sophia Schieber, eine der drei Mesnerinnen von Kirchdorf, wo ursprünglich bei schönem Wetter eine Andacht geplant war, und Birgit Seis, eine weitere gute Seele der ehemaligen Pfarrei von Pater Joshy, hatten mit süßem Gebäck für zusätzliche köstliche Schmankerl gesorgt. Vom Bild der Tempelreinigung inspiriert zogen die ganz jungen Pilger noch ihre „Schwarzer Peter“-Karten hervor und brachen zum krönenden Abschluss beim „Bierfilz-Schnappen“ noch so manchen Rekord. Nach einhelliger Meinung aller Teilnehmer soll auch im nächsten Jahr vom Pfarrverband Eichendorf aus wieder eine Wallfahrt mit dem Auto oder Fahrrad unternommen werden. Auch dazu sind dann wieder alle eingeladen, die als Pilger für ihren Glauben Zeugnis geben wollen.
Bericht und Fotos: Ulrich Altmann

