Wallfahrten

Fast 100 „Pilger der Hoffnung“ unterwegs

Pfarrverband Eichendorf am 07.08.2025

Drafi Deutschers „Weine nicht, wenn der Regen fällt!“ war wohl einigen der 96 Wallfahrer im Ohr, als sie am Morgen des vergangenen Samstags (02.08.2025) aus dem Fenster schauten. Pfarradministrator Pater Joshy, der die diesjährige Pfarrverbandswallfahrt ursprünglich - wie die letztjährige nach Sammarei - als reine Rad-Wallfahrt geplant hatte, hatte jedoch schon frühzeitig umdisponiert. 

So ver­sam­mel­ten sich im Lau­fe des spä­te­ren Vor­mit­tags die Teil­neh­mer vor dem Eichen­dor­fer Pfarr­zen­trum, um Fahr­ge­mein­schaf­ten zu bil­den und sich dann mit meh­re­ren Pfer­de­stär­ken auf den Weg zur Asam­ba­si­li­ka St. Mar­ga­re­tha in Oster­ho­fen-Alten­markt zu machen. Vom Wes­ten und von Osten her ström­ten die Pil­ger, deren Anmel­dun­gen Fine Weber vom Pfarr­bü­ro orga­ni­siert hat­te, in das Kir­chen­schiff, wo Pater Jos­hys frü­he­rer Chef — Pfar­rer Ema­nu­el Hart­mann — als Kir­chen­füh­rer bereit­stand und sie zunächst in den hin­te­ren Kir­chen­bän­ken Platz neh­men ließ. Wer die Por­ta­le des Got­tes­hau­ses durch­schrei­tet, scheint plötz­lich in einer ande­ren Welt zu sein: im Him­mel, von des­sen Pracht die Künst­ler des Barock dem Kir­chen­be­su­cher mit zahl­rei­chen Engeln und Hei­li­gen einen Vor­ge­schmack geben woll­ten. Dass es drau­ßen stark bewölkt war, ließ sich in der licht­durch­strahl­ten Kir­che — obwohl kein ein­zi­ger Schein­wer­fer ein­ge­schal­tet war — nicht mehr fest­stel­len. Das war der Bau­wei­se der ehe­ma­li­gen Stifts­kir­che geschul­det, deren Roh­bau im Jah­re 1728 von Johann Micha­el Fischer voll­endet wor­den war. Vom Vor­gän­ger­bau hat­te der jun­ge Münch­ner Mau­rer­meis­ter ein­zig die Unter­ge­schos­se des west­li­chen Turm­paa­res verwendet.

Pfarrer Hartmann erklärte den prachtvollen Kirchenraum

So man­cher Wall­fah­re­rin war die Basi­li­ka aus ihrer Zeit im Damen­stift der Eng­li­schen Fräu­lein bereits bekannt. Doch Pfar­rer Hart­mann brach­te den auf­merk­sa­men Teil­neh­mern in sei­ner span­nen­den Füh­rung vie­le Details des im Jah­re 1982 zur päpst­li­chen Basi­li­ka erho­be­nen Got­tes­hau­ses und sei­ner Geschich­te näher, auf des­sen üppi­ge inne­re Aus­stat­tung das Kir­chen­äu­ße­re nicht auf Anhieb schlie­ßen lässt. Das Hoch­al­tar­bild, das die Kir­chen­pa­tro­nin kurz vor ihrer Hin­rich­tung zeigt, sowie Decken­bil­der wur­den in den Jah­ren 1731/1732 von Cos­mas Dami­an Asam (der sich selbst — ganz ver­steckt als ​„armer Sün­der“ — in einem Raum unter­halb der Empo­re abge­bil­det hat) mit sei­ner Werk­statt gemalt. Sein Bru­der Egid Qui­rin stuckier­te im glei­chen Zeit­raum die Decken und Wän­de und arbei­te­te bis 1735 an den Altä­ren sowie am Chor­ge­stühl. Beson­de­res Augen­merk wid­me­te Pfar­rer Hart­mann neben den bei­den Sei­ten­al­tä­ren (also Rosen­kranz­al­tar und dem Altar, der der Hei­li­gen Mut­ter Anna und ihrer Ver­wandt­schaft geweiht ist) dem Fres­ko unter der Orgel­em­po­re, das die Rei­ni­gung des Tem­pels durch Jesus zeigt, der auch Schaf­kopf­kar­ten ​„zum Opfer“ fie­len. Eine Schel­len-Sau und die ande­ren Opfer­tie­re der Geschäf­te­ma­cher hat­ten dort schließ­lich nichts verloren. 

Nach der Führung wurde Gottesdienst gefeiert

Der Geist­li­che freu­te sich sehr dar­über, dass sich sei­ne Gäs­te die Zeit nah­men, im Anschluss an die Kir­chen­füh­rung gemein­sam Got­tes­dienst zu fei­ern, für den die Alten­mark­ter Mes­ne­rin Anne­lie­se Schratz­mei­er bereits alles vor­be­rei­tet hat­te. So zogen Pater Jos­hy, sein Kon­ze­le­brant Pater Jip­son und die Geschwis­ter Rebec­ca und Rafa­el Alt­mann, die den Minis­tran­ten­dienst über­nah­men, von der Sakris­tei aus in das Pres­by­te­ri­um ein. Nach dem Kreuz­zei­chen stell­te der Eichen­dor­fer Pfarr­ad­mi­nis­tra­tor in sei­ner Sta­tio her­aus, dass ​„jeder von uns Talen­te und gute Fähig­kei­ten hat“, aber nicht jeder alles kön­ne und auch nicht kön­nen müs­se. ​„So ergän­zen wir uns gegen­sei­tig, hel­fen ein­an­der und sind eine rich­ti­ge Gemein­schaft!“, beton­te Pater Jos­hy. Lek­tor Sebas­ti­an Albert trug im Anschluss an das Kyrie und das Tages­ge­bet die alt­tes­ta­ment­li­che Lesung vor, in der — aus­ge­hend von der Fest­stel­lung der Ver­gäng­lich­keit und Unver­füg­bar­keit des mensch­li­chen Lebens und alles Irdi­schen über­haupt — nach den ver­blei­ben­den Mög­lich­kei­ten des Men­schen, sich trotz­dem Sinn­erfül­lung, Glück und Zufrie­den­heit im Leben zu ver­schaf­fen, gefragt wird. Pfarr­vi­kar Pater Jip­son ver­kün­de­te das Lukas­evan­ge­li­um, in dem davon die Rede ist, dass Jesus von einem Mann gebe­ten wird, er sol­le ihm zu dem ihm zuste­hen­den Erbe ver­hel­fen, wor­auf­hin Jesus das Gleich­nis vom Korn­bau­ern erzählt.

Was macht uns reich?

„Wir leben in einer Gesell­schaft, die zuneh­mend gott­los und ego­is­tisch wird. Immer mehr Men­schen heu­te leben und emp­fin­den so wie der Bau­er im Evan­ge­li­um: Sie suchen nur ihren Spaß, ihre Sicher­heit. Für vie­le Men­schen liegt der Sinn des Lebens dar­in, dass sie für sich mög­lichst viel her­aus­ho­len. Ver­si­che­run­gen, Spar­ver­trä­ge, Fit­ness­trai­ning, Vor­sor­ge­un­ter­su­chung, gesun­de Ernäh­rung!“, eröff­ne­te Pater Jos­hy sei­ne Pre­digt. Er stell­te dabei nicht in Fra­ge, dass ​„wir das alles brau­chen“, gab aber zu beden­ken, dass es frag­lich wer­de, wenn sol­che Din­ge Ersatz­re­li­gio­nen wür­den, die Gott für die­se Men­schen erset­zen. Das sei auch das Schick­sal des Bau­ers gewe­sen. ​„Kaum hat der Bau­er im Gleich­nis eine gute Ern­te, blen­det er Gott und sei­ne Mit­men­schen aus. Er sieht dann nur sich selbst und sein Ver­mö­gen!“, fuhr Pater Jos­hy fort. Für den Land­wirt im Gleich­nis bestehe der Sinn des Lebens in gro­ßem Ver­mö­gen und Über­fluss. Vor Gott aber stür­be der Rei­che als ein armer Mensch. ​„So wird es jedem erge­hen, der nur für sich selbst Schät­ze sam­melt, aber vor Gott nicht reich ist!“, mah­ne Jesus durch das Tages­evan­ge­li­um. Wie es die Eichen­dor­fer von ihrem Pfarr­ad­mi­nis­tra­tor daheim gewohnt sind, so gab die­ser ihnen zum Schluss sei­ner Anspra­che in Alten­markt auch eine Fra­ge mit auf den Weg: ​„Was macht dich reich und was blen­det dich von Gott und von Mit­men­schen aus?“

„Credo in unum Deum...“

Anschlie­ßend folg­te das Cre­do, das — im wahrs­ten Sin­ne des Wor­tes — die tra­gen­den Säu­len der Kir­che zum Aus­druck bringt. Wer den Text des Glau­bens­be­kennt­nis­ses nicht (mehr) aus­wen­dig kann, aber des Latei­ni­schen mäch­tig ist, könn­te an den Pfei­lern der Asam­ba­si­li­ka ​„spi­cken“, wo zwölf Sät­ze des Apos­to­li­schen Glau­bens­be­kennt­nis­ses den Apos­tel­bil­dern auf Spruch­bän­dern zuge­ord­net sind. Wäh­rend der Gaben­be­rei­tung brach­te Ste­pha­nie Alt­mann vom Eichen­dor­fer Mes­ner­team die Kol­lek­ten­körb­chen zu den Got­tes­dienst­be­su­chern. So fei­er­te die Got­tes­dienst­ge­mein­de mit­ein­an­der Eucha­ris­tie. Man­chem wird dabei viel­leicht in Erin­ne­rung blei­ben, dass die Uhr ober­halb der Empo­re gleich nach der Wand­lung von Brot und Wein in den Leib und das Blut Chris­ti mit zwölf Glo­cken­schlä­gen auf die Mit­tags­stun­de hin­ge­wie­sen hat. In der Asam­ba­si­li­ka kommt das Altar­sa­kra­ment, für das im Got­tes­dienst Dank gesagt wird, beson­ders deut­lich in dem zwei­ten der ins­ge­samt neun Neben­al­tä­re, der dem Grün­der des Prä­mons­tra­ten­ser­or­dens, dem Hei­li­gen Nor­bert von Xan­ten, geweiht ist, zum Aus­druck. Den Umstand, dass den Erbau­ern der Basi­li­ka, als sie ​„hin­ten“ bei der ​„Köni­gin der Instru­men­te“ ange­kom­men waren, mehr oder weni­ger lang­sam das Geld aus­ging, ließ Orga­nist und Kan­tor Lukas Salz­ber­ger, der bei dem fei­er­li­chen Got­tes­dienst alle Regis­ter der Eisen­barth-Orgel zog und den präch­tig gestal­te­ten Kir­chen­raum so auch noch mit Wohl­klang erfüll­te, schnell in Ver­ges­sen­heit geraten.

Danach wurde im Gasthof eingekehrt

Nach dem Schluss­se­gen ging es durch den Regen — von vier wacke­ren Rad­pil­gern eskor­tiert — zur leib­li­chen Stär­kung nach Ober­ges­sen­bach, wo die Wirts­leu­te Hans und Angie Kirsch­ner ihren Land­gast­hof ​„Zur Lin­de“ extra für die Eichen­dor­fer Wall­fah­rer auf­ge­sperrt hat­ten. Flugs waren die Pil­ger vom Kirsch­ner-Team mit Geträn­ken ver­sorgt wor­den. Und auch das Mit­tag­essen, das sich die Wall­fahrts­teil­neh­mer nach dem gemein­sa­men Tisch­ge­bet schme­cken lie­ßen, hat nicht lan­ge auf sich war­ten las­sen. Sophia Schie­ber, eine der drei Mes­ne­rin­nen von Kirch­dorf, wo ursprüng­lich bei schö­nem Wet­ter eine Andacht geplant war, und Bir­git Seis, eine wei­te­re gute See­le der ehe­ma­li­gen Pfar­rei von Pater Jos­hy, hat­ten mit süßem Gebäck für zusätz­li­che köst­li­che Schman­kerl gesorgt. Vom Bild der Tem­pel­rei­ni­gung inspi­riert zogen die ganz jun­gen Pil­ger noch ihre ​„Schwar­zer Peter“-Karten her­vor und bra­chen zum krö­nen­den Abschluss beim ​„Bier­filz-Schnap­pen“ noch so man­chen Rekord. Nach ein­hel­li­ger Mei­nung aller Teil­neh­mer soll auch im nächs­ten Jahr vom Pfarr­ver­band Eichen­dorf aus wie­der eine Wall­fahrt mit dem Auto oder Fahr­rad unter­nom­men wer­den. Auch dazu sind dann wie­der alle ein­ge­la­den, die als Pil­ger für ihren Glau­ben Zeug­nis geben wollen.

Bericht und Fotos: Ulrich Altmann

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