Für den vergangenen Freitag (22.05.2026) hatte der Wetterbericht heuer gute Aussichten prophezeit. Aber auch, wenn es - wie in den vergangenen Jahren - anders gewesen wäre, hätte das einen richtigen „Altötting-Geher“ nicht abschrecken können. Schließlich galt es, zur traditionellen Wallfahrt am Pfingstwochenende in den oberbayerischen Gnadenort, der Mutter des Erlösers die Ehre zu erweisen, ihr ein Anliegen zu bringen oder ihr für eine Gebetserhörung zu danken.
Und so hat sich schon in aller Herrgotts Frühe — um 4.30 Uhr — eine große Menge von Wallfahrern zur Messfeier in der Eichendorfer Pfarrkirche Sankt Martinus eingefunden. Der Eichendorfer Pfarradministrator Pater Joshy begrüßte zusammen mit seinem Mitbruder Pater Nobi aus dem Pfarrverband Wallerfing-Ramsdorf, der vormals als Pfarrvikar in Eichendorf wirkte, alle Wallfahrer dazu ganz herzlich und feierte gemeinsam mit ihnen Gottesdienst, ganz besonders auch für die verstorbenen Mitglieder des Wallfahrervereins, der — heuer unter bewährter Federführung von 1. Vorsitzendem Sepp Winnerl — zum nunmehr 69. Mal organisiert und durchführt. Zusammen mit stellvertretendem Vorsitzenden Alois Breitschopf und Wallfahrervereinsmitglied Stefan Hötzinger, die auch beim Anstimmen halfen, hatte der Geistliche passende Lieder ausgesucht. Die Lesung aus dem ersten Buch der Heiligen Schrift trug Bettina Scheuer, die Schriftführerin des Vereins, vor. Dort wird geschildert, wie der HERR Abram anwies, aus seinem Land, seiner Verwandtschaft und seinem Vaterhaus fortzugehen — in ein Land, das der HERR ihm zeigen werde. Dort werde er ihn zu seinem großen Volk machen, ihn segnen und seinen Namen groß machen, denn: „Ein Segen sollst Du sein!“. Dann verkündete Konzelebrant Pater Nobi die Frohbotschaft nach Lukas, in der der Evangelist erzählt, wie Jesus 72 seiner Jünger paarweise vor sich her in alle Städte und Ortschaften sandte, in die er selbst gehen wollte. Die anschließenden Fürbitten übernahm Alois Breitschopf. Nach der Eucharistiefeier, dem Lied „Freu Dich, Du Himmelskönigin“ sowie dem Schluss- und Pilgersegen, den Pater Joshy den Mitfeiernden spendete, sprach Sepp Winnerl, der sich sichtlich sehr über die zahlreiche Beteiligung freute, sein Grußwort, ehe sich der von ihm zusammen mit Kreuzträgerin Brigitte Gruber und Standartenträger Hans Schott angeführte Pilgerzug in Dreiherreihen formierte.
Gräfin Arco grüßte den Pilgerzug
Von der Mariensäule am Marktplatz setzte sich der Zug in Bewegung — begleitet von zwei Pilgerfahrzeugen und dem Geläut der Kirchenglocken, die Carolin Altmann, die das Eichendorfer Mesnerteam tatkräftig unterstützt, in Gang setzte. Als Vorbeter fungierte in gewohnter Weise Alois Breitschopf, dessen im Dialog mit den Pilgern gesprochenen Gebete — auch dank der Rucksacklautsprecheranlage, die Andreas Aust aufgeschnallt hatte — das Marktinnere erfüllten. Voll freudiger Erinnerungen, aber doch etwas wehmütig winkte auch das ehemalige Vorstandsmitglied Hans Schraufnagl aus Kellerhäuser, der jahrzehntelang alljährlich am Pfingstwochenende mit in den Gnadenort gepilgert ist, seinen Pilgerfreunden hinterher. So ging es in der Morgendämmerung die Landauer Straße entlang, vorbei am Marienheim, Richtung Adldorf, wo die Eichendorfer Ehrenbürgerin Monica Gräfin von Arco auf Valley auch dieses Jahr vom Balkon des gräflichen Schlosses aus den Wallfahrern, die ihren Gruß freudig erwiderten, herzlich zuwinkte und ihnen ihre Gebetsanliegen mit auf den Weg zur „Schwarzen Madonna“ gab. Das Wallfahrtsmotto für 2026 lautet „Transitus“ — in Erinnerung an den 800. Todestag des Heiligen Franziskus von Assisi, was so viel wie „hindurchgehen, hinausgehen, hinübergehen, sich auf den Weg machen“ bedeutet. Neben Pater Joshy und Pater Nobi waren unter diesem Motto unter anderem auch Diakon Anton Fliegerbauer aus dem Pfarrverband Wallerfing-Ramsdorf sowie Robert Bauriedl, der Erste Bürgermeister von Oberpöring, unter den Pilgern.
Erster Stopp beim Pilgerkreuz
Den ersten Stopp legte der Pilgerzug — nach dem anspruchsvolleren Anstieg nach Hötzenhub an den vier Pappeln vorbei — an dem im Jahre 1976 errichteten Pilgerkreuz bei Lindert ein, wo Sepp Winnerl die Namen der seit dem vergangenen Jahr verstorbenen Mitglieder des Vereins verlas und die Pilger beim Atemholen den Sonnenaufgang und das ungetrübte Panorama zum Bayerischen Wald hin genießen konnten. Nach einem gemeinsamen Vaterunser und Gedanken über das Leben und Sterben, mit denen Alois Breitschopf die Pilger zum Sinnieren einlud, erhielt zum einen das Kreuz am Standartenstab einige Rosenkränze und zum anderen der Corpus am Vortragkreuz noch weitere Blumen zur Zierde, ehe es in Richtung der südöstlichen Pfarrverbandsgrenze weiterging. In Indersbach, Arnstorf, Kleinmünchen, Wilhelmshöhe, Eggenfelden und Mitterskirchen wurden im Laufe des ersten Wallfahrtstages weitere Pausen eingelegt, bevor die Pilger gegen Abend in Reischach eintrafen, wo die Marienverehrer im Reischacher Hof bzw. privat ihre Quartiere zur Übernachtung bezogen. Wie es den Wallfahrern dann am Samstag weiter erging, erfahren Sie in einem gesonderten Bericht.
Bericht und Fotos: Ulrich Altmann
Langjährige Pilger-Wirtin verabschiedet
40 Jahre lang umsorgte Therese Bauer-Oberwallner in ihrem Reischacher Hof vom Freitag auf Samstag vor Pfingsten einen großen Teil der Pilger des Wallfahrervereins Eichendorf-Wallerfing. Nun geht die Herbergswirtin in den verdienten Ruhestand. Das nahm Josef Winnerl, der Vorsitzende des Wallfahrervereins zum Anlass, Therese Bauer-Oberwallner am vergangenen Freitagabend (22.05.2026) in einer für die künftige Ruheständlerin und besonders auch für alle langjährigen Gäste sehr bewegenden Feier Abschied zu nehmen und für die langjährige Bewirtung ganz herzlich zu bedanken.
Bericht: Ulrich Altmann
Foto: Josef Winnerl

