Pünktlich zum Sonnenuntergang trafen sich — ausgerüstet mit Kerzen, Laternen, Taschen- und Stirnlampen und Rosenkränzen — viele Gläubige, Jung und Alt aus dem ganzen Pfarrverband, vor der Dornacher Pfarrkirche Sankt Laurentius, um sich gemeinsam mit ihrem Pfarrer, mit ihrem Pfarrvikar Pater Jipson und ihrer Gemeindereferentin Gertraud Dickgießer betend auf den Weg nach Enzerweis zur dortigen Ammer-Kapelle zu machen. „Mit Maria wollen wir heute unterwegs sein. Denn der Rosenkranz ist ein Weg mit Maria zu Jesus. Im Rosenkranzgebet betrachten wir die Geheimnisse Seines Lebens — Freude, Licht, Leid, Herrlichkeit. Mit dem Gebet wollen wir sein Licht aufstrahlen lassen in unserem Leben, in unserer Freude so wie auch in unserem Leid! Wenn wir später die Kerzen anzünden werden, dann wollen wir die Dunkelheit um uns herum und auch all unsere Nöte, Ängste, Konflikte und Sorgen in sein Licht stellen. Dann bleiben unsere kleinen Flammen stärker als jene Dunkelheit. Im Gedanken nehmen wir all jene Menschen mit, die unsere Gebetshilfe brauchen. Lasst uns andächtig den Rosenkranz beten und spüren, dass wir auf unseren Lebenswegen allein sind. Maria geht mit uns mit!“, eröffnete Pater Joshy die Prozession. Er gab seiner Freude darüber Ausdruck, dass sich wieder viele Gläubige eingefunden haben, um ein Zeugnis für ihren Glauben zu geben.
Den Rosenkranz gebetet
Anschließend übergab der Geistliche das Wort an Alois Breitschopf aus Hütt, den stellvertretenden Vorsitzenden des Wallfahrervereins Eichendorf-Wallerfing. Der routinierte Pilgerführer stimmte die Gemeinschaft mit einem gemeinsamen Gebet auf den Rosenkranz ein, den er anschließend — unterstützt von seiner Ehefrau Christine Reinspach-Breitschopf und Lautsprecherträger Klaus Ott aus Indersbach — vorbetete. Dabei betonte der Vorbeter auch die Notwendigkeit der Stille. Der Dornacher Kirchenchor unter der Leitung von Lukas Salzberger hatte passende Lieder ausgewählt und übernahm die stimmungsvolle musikalische Gestaltung der Lichterprozession. Die Prozession führte mit Sebastian Albert aus Hartkirchen an der Spitze, der das illuminierte Pfarrverbandskreuz trug, gefolgt von Stephanie und Rebecca Altmann aus Eichendorf, die abwechselnd mit den Erstkommunionkindern — vorwiegend aus Dornach, Enzerweis, Perbing und Kröhstorf — einen großen beleuchteten Rosenkranz vorantrugen, am Trainingsplatz des FC Dornach vorbei über die Gemeindeverbindungsstraße nach Enzerweis zur frisch renovierten Ammer-Kapelle. Zwischendurch stoppte der vom rauen Wind begleitete Pilgerzug immer wieder für kurze Zeit; dabei wurden dann Lieder gesungen und besinnliche Texte vorgetragen. Die Pilger, die auch heuer wieder trockenen Fußes am Ziel ihrer Prozession ankamen, scharten sich um die von einem Meer an Kerzen erleuchtete Ammer-Kapelle, an der sich schon viele weitere Gläubige versammelt hatten, darunter auch Diakon Bernhard Hobelsberger mit seiner Ehefrau Uta.
Pater Joshy weihte Enzerweiser Kapelle ein
Pater Joshy betete — gesanglich unterstützt vom Dornacher Kirchenchor — im Anschluss an den Rosenkranz gemeinsam mit den Pilgern in einer ganz besonderen Atmosphäre. Dabei wurden die Anliegen, in denen die Gläubigen beteten, besonders der Fürbitte Mariens anvertraut. Eine Kapelle sei ein Zeichen des lebendigen Glaubens, erinnere an das Versprechen Gottes „Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt!“ und lade ein, das Unnötige draußen zu lassen und sich auf das Wesentliche zu besinnen, betonte Pater Joshy. Egal, wie schnell das Leben verlaufe: Jeder solle sich die Zeit nehmen, um in sich zu gehen und mit Gott ins Gespräch zu kommen. Ganz besonders herzlich dankte Pater Joshy der Familie Jahrstorfer-Frank aus Enzerweis für die überaus gelungene Restaurierung der Kapelle mit dem wunderschönen Altar samt Kapellenumgriff. „Möge diese Kapelle ein Ort der Begegnung zwischen Gott und den Menschen bleiben!“, wünschte sich Pater Joshy und freute sich, das Wort an Eduard Jahrstorfer zu übergeben, der von der bewegten Geschichte des Kleinods berichtete (siehe auch Infokasten). „Meine ganze Familie war in irgendeiner Weise mit der Sanierung beschäftigt und somit erstrahlt die ‚Ammer-Kapelle‘ wieder in neuem Glanz! Und wir hoffen, dass sie weiterhin das Dorfbild von Enzerweis bereichern wird!“, gab Eduard Jahrstorfer abschließend erfreut seiner Hoffnung Ausdruck und bat Pater Joshy um den Segen für das schmucke Gotteshaus. Nach der gemeinsam gesungenen Marienlitanei segnete Pater Joshy das Weihwasser, legte kräftig Weihrauch auf die mitgebrachte Glut und spendete der Ammer-Kapelle zur Einweihung den Segen Gottes. Dann spendete der Eichendorfer Ortsgeistliche auch allen Anwesenden und deren Familien den Segen.
Danach gab es einen Stehempfang am Kirchplatz
Alle Mitbeterinnen und Mitbeter waren im Anschluss an die Lichterprozession, das Gebet, die Einweihung der Kapelle und deren Besichtigung (je nach Alter und Gusto) zu Glühwein bzw. Kinderpunsch auf den Dornacher Kirchenvorplatz eingeladen. Daniela Stangl aus Enzerweis (Glühwein) und Monika Salzberger aus Attenkaisen (Kinderpunsch) waren dort in gewohnter Weise den Rest des Abends über — im wahrsten Sinne des Wortes — schöpferisch tätig und wurden tatkräftig von Rita Haberl aus Pollnöd und Klaus Ott aus Indersbach unterstützt. Besonders schwärmten die großen und kleinen Pilger auch von dem süßen Gebäck, das für sie bereitgestellt worden war. Die Dornacher Kirchenverwaltung mit Kirchenpflegerin Beate Kirschner-Schraufnagl, Pfarrgemeinderatsmitglied Markus Schmidt und Mesner Walter Sommersberger hatten Stehtische, um die sich die Prozessionsteilnehmer scharten, Sitzgelegenheiten und die erforderliche Stromversorgung und Beleuchtung bereitgestellt. „Gott sei Dank finden wir immer wieder auf Pfarrverbandsebene Ehrenamtliche, die bereit sind, zusammen zu helfen, damit es uns gelingt, unsere Glaubensgemeinschaft lebendig zu halten!“, dankte Pater Joshy allen, die mitgeholfen hatten, die Lichterprozession und die anschließende weltliche Feier zu organisieren und durchzuführen. Ein besonderer Dank gilt dem Wallfahrerverein Eichendorf-Wallerfing, der den Lautsprecher samt Mikrofon zur Verfügung gestellt hatte, Albert Steinhuber, Sebastian Albert und Franz Ratzisberger für die Besorgung der Kerzen, Anton Kantner, der seine Hofstelle wieder den Parkern zur Verfügung gestellt hatte, und allen Pilgern, die das bereitgestellte Körbchen mit einer Spende gefüllt haben; das gesammelte Geld wird auch heuer wieder einem guten Zweck zugeführt werden.
Zur Geschichte der Kapelle
Diese Kapelle wurde im Jahre 1873 von Ludwig und Maria Apfelbeck aus Enzerweis an ihrem jetzigen Standort erbaut. Die Familie Apfelbeck lebte nach den Erzählungen des Vaters von Eduard Jahrstorfer auf dem Schreiner-Anwesen in Enzerweis. Um die vorletzte Jahrhundertwende (1900) erwarben dann die Urgroßeltern von Eduard Jahrstorfer diese Kapelle. So entstand der Name „Ammer-Kapelle“, weil sie nun zum Ammer-Hof gehörte. Die Kapelle stand in früheren Zeiten viel höher, so dass man sogar drei Stufen nach oben steigen mußte, um den Eingang zu erreichen. Im Zuge des Straßenbaus veränderte sich die Situation, so steht die Kapelle nun tiefer als die vorbeiführende Straße. In den 1950-er Jahren wurde das kleine Gotteshaus von Eduard Jahrstorfers Onkel Franz und dessen Ehefrau (Tante Leni) renoviert und anfangs der 1980-er Jahre von Eduard Jahrstorfer und seiner Ehefrau Traudl nochmals überholt. Da sich der Zustand in den letzten Jahren sehr verschlechtert hatte, entschloss sich die Familie Jahrstorfer-Frank zu einer aufwendigen Generalsanierung. Michaela Jahrstorfer-Frank, eine der drei Töchter der Ehegatten Eduard und Traudl Jahrstorfer, übernahm die bauliche Leitung. Schwiegersohn Tobias Frank legte die handgefertigten Ziegelfliesen und übernahm die mühevolle Restaurierung des alten Altares. Traudl Jahrstorfer investierte viel Zeit und Mühe bei den Mal- und Neufassungsarbeiten am Altar und an der Madonna, die auch früher schon in der Kapelle stand.
Bericht und Fotos: Ulrich Altmann

