Obwohl in der Bibel nur in Andeutungen über eine leibliche Aufnahme Marias in den Himmel berichtet wird, ist Mariä Himmelfahrt am 15. August bereits seit dem siebten Jahrhundert bekannt. 1950 wurde die Lehre von der leiblichen Aufnahme Mariens in den Himmel von Papst Pius XII. zum Dogma, also zum verbindlichen Glaubensinhalt, erklärt.
Die römisch-katholische Kirche pflegt eine tiefe Marienverehrung. Gerade die geringe Zahl biblischer Belege trug zur Ausweitung der Marienverehrung bei. Verknüpft wird diese mit verschiedenen volkstümlichen und religiösen Bräuchen. Volkskundler führen die Tradition von Blumen- und Kräutersegnungen an Mariä Himmelfahrt auf Geschichten um die Blumenliebe Marias zurück. Ebenso wird sie mit der legendären Öffnung des Grabes der Gottesmutter in Verbindung gebracht. Statt eines Leichnams, so die Legende, fanden die Apostel darin“Lilien und fruchtbare Gewächse”. Der Erde soll an dieser Stelle ein wundersamer Kräuterduft entströmt sein. So wurde am vergangenen Samstag (15.08.2026) das Hochfest, das im Volksmund kurz „Mariä Himmelfahrt“ genannt wird, auch in der Eichendorfer Pfarrkirche Sankt Martinus mit einem festlichen Gottesdienst gefeiert, dem Pfarradministrator Pater Joshy Kanjirathamkunnel MI vorstand. Klara Kirschner trug die neutestamentlichen Lesungen aus der Offenbarung des Johannes (Kapitel 11 Vers 19a und Kapitel 12, Verse 1 – 6a.10ab) sowie dem 1. Korintherbrief (Kapitel 15, Verse 20 – 27a) vor, ehe der Zelebrant das Lukasevangelium vom Tag (Kapitel 1, Verse 39 – 56) verkündete. Der Evangelist führt ins Zentrum der Kindheitsgeschichte Jesu, nämlich zur Begegnung von zwei schwangeren Frauen, der alten Elisabet und der jungen Maria. Erfüllt vom Heiligen Geist und voll Freude sprechen sie prophetische und heilsgeschichtlich bedeutende Worte. Das „Gegrüßt seist du, Maria“ und das „Magnificat“ verdankt die Kirche diesen zwei großen Frauen.
„Wer heute die Kirche betritt, dem steigt ein ganz besonderer Duft in die Nase. Es riecht nach Sommer, nach Wiese, nach Erde und nach Sonne – es riecht nach Kräutern!“, begann Pater Joshy seine anschließende Predigt und präsentierte seiner Gemeinde einen vom KDFB gebundenen Kräuterbuschen. Schon seit Jahrhunderten wüssten die Menschen: Gegen fast jedes Leiden wächst ein Kraut. „Pflanzen schenken uns Linderung, sie heilen Wunden, sie stärken das Herz und schenken erholsamen Schlaf. Wenn wir heute diese Kräuter segnen, danken wir Gott für die Heilkraft der Natur. Aber wir tun noch etwas viel Tieferes: Wir schauen auf Maria. Sie wirkte wie ein Heilkraut Gottes. Durch ihr ‚Ja‘ hat sie der Welt das Heilmittel schlechthin gebracht: Jesus Christus. Das ist unser Auftrag, wenn wir heute dieses Marienfest feiern: Wir sollen selbst zu Heilkräutern Gottes in dieser Welt werden!“, forderte der Prediger auf. Ein Heilkraut heile Wunden. „Unsere Welt, unsere Gesellschaft und oft auch unsere eigenen Familien sind voller Verletzungen. Es gibt so viele harte Worte, tiefsitzenden Groll und zerbrochene Beziehungen. Wir sind heute eingeladen, wie ein Heilkraut die Risse zwischen den Menschen zu heilen!“, fuhr der Geistliche fort. Ein Kräuterstrauß wirke nicht nur durch seine Medizin, sondern auch durch seinen Wohlgeruch. Wo Kräuter sind, verändere sich die Atmosphäre im Raum. „Anstatt unsere Umgebung durch Klatsch und Missgunst zu vergiften, sind wir eingeladen, den ‚Wohlgeruch Christi‘ zu verbreiten, wie der Apostel Paulus es nennt.“ Ein Heilkraut ziehe seine Kraft aus tiefen Wurzeln in der Erde und aus dem Licht der Sonne. „Wenn wir Heilung und Frieden bringen wollen, wenn wir als Heilkräuter Gottes leben möchten, können wir das nicht aus eigener Kraft erzwingen. Wir brauchen die starke Verwurzelung in Gott – so wie Maria. Wir sind eingeladen, tief in Gott verwurzelt zu bleiben!“
Mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen
Wenn das Kraut gepflückt und getrocknet werde, schenke es seine ganze Kraft her, um anderen zu helfen. „Um ein Heilkraut Gottes zu werden und zu bleiben, muss auch in uns manches schrumpfen: Unser Stolz, unser Ego oder der Drang, immer im Mittelpunkt zu stehen. Wenn Kräuter falsch getrocknet werden, schimmeln sie. In uns muss alles getrocknet werden, was nach Schimmel riecht: Alte Kränkungen, Unversöhnlichkeit und Neid. Erst wenn das Wasser der Wut verdunstet ist, wird Raum für den Wohlgeruch des Friedens. Das Trocknen nimmt dem Kraut nicht seinen Wert — es macht es haltbar und wirksam. Die Vollendung unseres Lebens sehen wir in Maria. Sie ist mit Leib und Seele bei Gott geborgen. Das gibt uns die Zusage: Nichts von dem, was wir an Liebe, Frieden und Versöhnung in diese Welt tragen, geht verloren. Durch Maria ist Jesus zur Welt gekommen – das Heil Gottes, das Heilkraut Gottes gegen Krankheiten und Tod. Möge Maria uns helfen, dass durch uns Jesus auch heute zur Welt kommt: als Heil Gottes und als Heilkraut gegen Spaltungen und Verletzungen, gegen Lieblosigkeit und Unfrieden. Wie Jesus im Leib seiner Mutter Maria gewachsen ist, so möge seine Liebe, sein Friede und seine Güte in uns wachsen. Damit wir von einem flüchtigen Sommerblümchen zu einem dauerhaften, wohlriechenden Heilkraut Gottes werden und bleiben. Dann dürfen auch wir hoffen, mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen zu werden — so wie Maria!“, schloss Pater Joshy seine Predigt. Nach dem Glaubensbekenntnis und den Fürbitten, die ebenfalls Klara Kirschner vorgetragen hatte, feierte die Gottesdienstgemeinde gemeinsam Eucharistie. Beim Austeilen des Leibes Christi wurde der Zelebrant von Kommunionhelferin Hildegard Hartl unterstützt. Die stimmige musikalische Gestaltung des Heiligen Amtes übernahm Organistin und Kantorin Lydia Schropp an der Kirchenorgel.
KDFB verkaufte Kräuterbuschen
Schon vor dem Gottesdienst hatte der KDFB Eichendorf Kräuterbuschen gegen eine Spende zum Erwerb angeboten. Mitglieder des Frauenbundes hatten bereits am vergangenen Donnerstag (13.08.2026) mit viel Engagement exakt 107 Kräuterbuschen in der Halle des Eder’schen Anwesens im Wiesenweg gebunden. Bevor Pater Joshy dem Gottesvolk den Schlusssegen spendete, segnete er die Kräuterbuschen. Begleitet von Ministrantin Luisa Sicheneder zog Pater Joshy durch den Hauptgang bis zur Sebastianikapelle und zurück und tauchte den Aspergil etliche Male kräftig in das Weihwasserbehältnis, um den Mitfeiernden — passend zum Hochfest und den hohen Temperaturen — eine wohltuende Erfrischung an Leib und Seele zu spendieren. Der Erlös der Kräuterbuschen-Aktion in Höhe von insgesamt 270 EUR wird für den Blumenschmuck in der Pfarrkirche verwendet, wofür sich Pater Joshy und Hildegard Hagenburger im Namen der Kirchenverwaltung recht herzlich bedankten. Ein weiteres „Vergelt’s Gott!“ gilt Johann Flexeder aus Exing, der auch heuer wieder mit den von ihm spendierten Sonnenblumen, die auf seinem Hoffeld zu voller Blüte gereift sind, den von Carolin Altmann arrangierten Blumenschmuck für Mariä Himmelfahrt ermöglicht hat. Ein gutes Beispiel dafür, wie pfarrverbandsübergreifendes Zusammenwirken im künftigen Pastoralraum Landau funktionieren kann.
Unser Gruppenfoto zeigt (von links) Annemarie Eder, Inna Remberger, Stephanie Altmann vom Mesner-Team, Helga Pleintinger, Hildegard Hagenburger und Klara Kirschner zwischen dem Sebastianialtar und dem Marienaltar in der Eichendorfer Pfarrkirche bei der Geldübergabe.
Gruppenfoto beim Kräuterbuschenbinden: Franz Eder
Bericht & übrige Fotos: Ulrich Altmann

