Warum wir trotz Ohnmacht und Resignation an Ostern neue Lebenskraft schöpfen dürfen und was wir dabei von einer wichtigen biblischen Frau lernen können, darüber schreibt Pater Joshy in seiner Botschaft zum diesjährigen Osterfest.
Liebe Schwestern und Brüder,
als auferstehungsbedürftige Menschen sind wir zusammengekommen, um das Fest der Auferstehung zu feiern. Wenn wir in die Welt blicken, sehen wir Elend, Krieg, Verfolgungen und eine Unsicherheit, die uns oft den Atem raubt. Aber die Finsternis ist uns oft noch viel näher. Oft erfahren wir ein Schweigen am Esstisch, weil die Kommunikation in der Familie erstarrt ist. Wir fühlen uns gefesselt in unserer eigenen Unzulänglichkeit. Immer wieder erfahren wir ein schmerzhaftes Paradox in unseren Beziehungen: Wir wollen lieben, aber wir verletzen. Wir suchen Nähe und ernten Distanz. Wir sind enttäuscht und wir enttäuschen selbst. Wir sind Gefangene unserer eigenen Ohnmacht.
Gefangen in der eigenen Ohnmacht
Ja, als Gefangene unserer eigenen Ohnmacht feiern wir Ostern. Denn Ostern schenkt uns die Hoffnung, dass Verwandlung gerade dort beginnen kann, wo es wehtut: in der tiefsten Nacht unserer Hilfslosigkeit, im Abgrund unserer Verletzungen und am Grab unseres Schmerzes. Doch ohne eine tiefe Sehnsucht nach dem Auferstandenen, der uns zur Auferstehung hilft, wird Ostern für uns nicht spürbar werden. Schauen wir auf Maria von Magdala. Ihre Sehnsucht lässt sie als Erste zum Grab laufen. Ihre Sehnsucht und ihre große Liebe zum Herrn ließen sie nicht schlafen. Sie hat keinen großen Plan. Vielleicht wollte sie am Grab nur sitzen und weinen. Vielleicht wollte sie nur das festhalten, was sie begraben hatte: die Erinnerung an die Liebe zu ihrem Herrn.
Wenn die Sehnsucht die Resignation überwindet
Maria sagt uns, dass die Auferstehung dort beginnt, wo die Sehnsucht stärker ist als die Resignation. Wenn die Sehnsucht wach bleibt, dann bringt sie uns in Bewegung. Dann führt sie uns zurück zu jenen „Gräbern“, in denen wir die Liebe zum Herrn begraben oder das Interesse an ihm verloren haben. Wenn die Sehnsucht nach dem Herrn stärker bleibt als die Resignation, führt sie uns zurück zu den Orten, an denen wir die Hoffnung begraben, den Frieden verloren oder die Liebe „getötet“ haben – dort, wo wir Hilfe verweigert und das Licht ausgeschaltet haben. Der Weg zur Auferstehung beginnt mit dem ersten Schritt aus unserer eigenen Erstarrung. Der Auferstandene begegnet uns auf dem Weg unserer Reue, in der Bitte um Vergebung, in der Mühe um Frieden, im Reichen der Hände zum Miteinander und in der Öffnung der Herzenstür, die sonst verschlossen bleibt.
Und unsere Auferstehung?
Das österliche Leben bedeutet nicht nur zu hoffen, dass Gott uns wie durch einen Zauberschlag zum neuen Leben erweckt. Es ist ein Mitwirken. Lasst uns von Maria von Magdala lernen: von ihrer Sehnsucht, ihrer Beweglichkeit und ihrer Liebe zum Auferstandenen. Lasst uns herauslocken aus den Gräbern unseres Alltags – hin zu einem Neuanfang, zu frischem Atem und zu echtem Leben.
Dann können wir wahrhaftig zueinander sagen: Frohe Ostern!
Pater Joshy Kanjirathamkunnel MI

