Liebe Pfarrgemeinde,
ihr werdet dieses Vorwort schon vor dem Jahreswechsel lesen. Viele werden, wie gewohnt, das zu Ende gehende Jahr 2025 mit Feuerwerk und mit entsprechenden Getränken begleiten und das neue Jahr 2026 wieder mit Feuerwerk, Sekt, liebevollen Umarmungen und guten Wünschen begrüßen. Dies alles brauchen wir. Besondere Anlässe dürfen besonders gefeiert werden. Ein Begleitwort, das ich euch für das neue Jahr mitgeben möchte, nehme ich aus dem Lukas-Evangelium: „Nehmt euch in Acht, dass Rausch und Trunkenheit und die Sorgen des Alltags euch nicht verwirren” (Lk 21,34). Die Sorgen des Alltags, die uns verwirren, sind vielfältig. Unter der großen Anzahl von „Fake News“ ist es schwierig, die Wahrheit von der Lüge zu unterscheiden. Technologischer Wandel, sowie Künstliche Intelligenz (KI) verändern und verwirren unser Leben in rasantem Tempo. Veränderte Geschlechterrollen, Familienbilder und Lebensmodelle werden neu definiert und verwirren uns darüber, was „normal“ oder „abnormal“ ist.
Auch im Glaubensleben bleiben die Verwirrungen nicht erspart. Wenn Gebete nicht erhört werden, wenn Leid nicht gelindert wird, wenn Kriege nicht gestoppt werden, wenn Ungerechtigkeit zugelassen wird, wenn Gott meinen Vorstellungen nicht entspricht und meine Wünsche nicht erfüllt, wissen viele nicht, ob sie überhaupt noch einen Gott brauchen. Wofür muss ich einen Gott haben, wenn Vieles unverändert bleibt und ich mein eigenes Leben selbst genauso gut leben kann? Verwirrungen sind auch im kirchlichen Umfeld sehr präsent. Viele sagen „Ja“ zur Caritas, aber „Nein“ zur Kirche und wissen nicht, dass die Caritas ein sozialer Teil der Kirche ist. Glaube „Ja“, aber Glaubensgemeinschaft „Nein“; Taufe „Ja“, aber Kirchenmitglied „Nein“; Arbeit in den kirchlichen Einrichtungen „Ja“, aber Kirchenbeitrag „Nein“; Kirchliche Feiertage „Ja“, aber die Kirche „Nein“ — von der wollen viele gar nichts mehr wissen. Der Hl. Nikolaus „Ja“, aber die anderen Bischöfe „Nein“; der Hl. Martin und der Martinszug werden gutgeheißen, aber sein Glaube nicht. Die Hochfeste werden durch weltliche Traditionen ersetzt: Weihnachten wird durch den Weihnachtsmann ersetzt, Ostern durch Osterhasen. Erstkommunion und Firmung sind oft mit schönen Geschenken verbunden, aber wie schnell werden die Kinder dadurch in die Verwirrung vom Kirchlichen zum Weltlichen geführt?
Wie in einem Rausch- und Trunkenheitszustand werden die Verwirrungen immer stärker. Auch im neuen Jahr wird es nicht anders sein. Darum macht uns Jesus aufmerksam: “Euer Herz lasse sich nicht verwirren. Glaubt an Gott und glaubt an mich!” (Joh 14,1). Wer ohne Verirrung auf den vielen geraden und krummen Wegen des neuen Jahres weiterkommen möchte, soll mit Jesus gehen — denn er ist der Weg. Wer sich nach Klarheit sehnt, soll an Jesus glauben — denn er ist die Wahrheit. Wer sein Leben im Griff haben möchte, der soll es unter die Führung von Jesus stellen — denn er selber ist das Leben. Bevor wir für das neue Jahr Pläne schmieden und den Kalender füllen, stellen wir Gott an den Anfang: an den Anfang des neuen Jahres, an den Anfang eines jeden neuen Tages. Wenn wir uns bis zum Lebensende seiner Führung anvertrauen, dann wird er uns helfen, dass uns Rausch und Trunkenheit und die Sorgen des Alltags nicht verwirren, denn er ist das Alpha und das Omega — der Erste und der Letzte — der Anfang und das Ende (Off, 22,13).
In diesem Sinne wünsche ich euch allen ein gesegnetes neues Jahr.
Euer P. Joshy

