Das glauben wir

Scherben bringen Glück? – Ostern 2025

Pfarrverband Eichendorf am 20.04.2025

Info Icon Foto: Roswitha Dorfner

„Beeil dich! Wir müssen los, sonst schaffen wir unseren Termin nicht.“ „Ich komm gleich, ich muss nur noch schnell“ ... zack, klirr - zu spät! Alles voller Scherben.

Es ist ver­mut­lich jedem von uns schon pas­siert. In der all­täg­li­chen Hek­tik fliegt leicht schon ein­mal etwas run­ter und zer­bricht. Scher­ben brin­gen Glück, heißt es. Naja, zunächst mal sind sie eher ärger­lich und machen Arbeit. Beson­ders schmerz­lich ist es, wenn man mit dem zer­bro­che­nen Gegen­stand auch noch wert­vol­le Erin­ne­run­gen ver­bin­det. Die teu­re Vase, die man zur Hoch­zeit geschenkt bekom­men hat. Der schö­ne Tel­ler, den die Kin­der in der Schu­le bemalt haben. Sind sie erst ein­mal zer­bro­chen, so sind sie meist unwie­der­bring­lich kaputt. Es lässt sich zwar der Ver­such unter­neh­men, die Scher­ben wie­der zu kle­ben, aber auch dann sind es ​„bloß“ zusam­men­ge­kleb­te Scher­ben und eben nicht die Vase oder der Tel­ler, die sie vor­her waren.

Brüche im Leben

Mit dem Leben ist es manch­mal ähn­lich. Alles scheint nor­mal und gut zu sein. Das Leben ist geplant, die Zukunft abge­si­chert. Und dann…zack! Die unvor­her­ge­se­he­ne Krank­heit, die ver­lo­re­ne Arbeit, die zer­bro­che­ne Bezie­hung, der uner­war­te­te Ver­lust eines gelieb­ten Men­schen. Plötz­lich ist alles kaputt! Die Plä­ne zer­stört, die Träu­me geplatzt, die Hoff­nun­gen gestor­ben. Von einem Tag auf den ande­ren fin­det man sich vor dem Scher­ben­hau­fen des eige­nen Lebens wie­der. Und ähn­lich wie bei einer zer­bro­che­nen Vase, las­sen sich auch sol­che Brü­che nicht ein­fach wie­der rück­gän­gig machen. Die Erfah­rung des Leids muss wohl jeder Mensch in sei­nem Leben machen. In sol­chen Situa­tio­nen stel­len sich vie­le Fra­gen, bei gläu­bi­gen Men­schen auch an den per­sön­li­chen Got­tes­glau­ben: ​„War­um aus­ge­rech­net ich? Womit habe ich das ver­dient? War­um lässt Gott so gro­ßes Leid zu? War­um hilft er nicht?“ Fra­gen, auf die es kei­ne ein­fa­chen Ant­wor­ten gibt.

Glaubenskrisen im Leid

Die Pas­si­ons­er­zäh­lung des Mar­kus­evan­ge­li­ums zeigt uns, dass Jesus kurz vor sei­nem Tod vor ganz ähn­li­chen Fra­gen steht. Im Ange­sicht des Todes betet er im Gar­ten Geth­se­ma­ni: ​„Abba, Vater, alles ist dir mög­lich. Nimm die­sen Kelch von mir!“ Doch er bekommt kei­ne Ant­wort. Der Sohn lei­det – und der Vater schweigt. Schließ­lich, vol­ler Angst und Ver­zweif­lung, ruft Jesus am Kreuz: ​„Mein Gott, mein Gott, war­um hast du mich ver­las­sen?“ Jesus fühlt sich im Leid von Gott allein gelas­sen. Alle Zie­le und Hoff­nun­gen Jesu schei­nen in die­sem Moment zu zer­bre­chen. Am Kreuz ist Jesus ein gebro­che­ner Mensch. Ein Mensch, der die Brü­che, die Glau­bens­kri­sen und die Scher­ben­hau­fen des Lebens am eige­nen Leib erfah­ren muss.

Ist der Scherbenhaufen das Ende?

Ist das das trau­ri­ge Ende einer span­nen­den Geschich­te? Alles zer­bro­chen und für immer kaputt? Das Oster­fest ver­heißt ande­res: Gott lässt uns nicht vor den Scher­ben­hau­fen unse­res Lebens ste­hen. Er über­lässt uns nicht dem Leid und nicht dem Bösen. Denn Ostern ist die Auf­er­ste­hung des gebro­che­nen Men­schen. Der Mensch, der am Boden liegt, steht wie­der auf, weil Gott alle Brü­che, alle Schmer­zen und alles Leid letzt­lich zum Leben wen­det. Auf­er­ste­hung heißt aber nicht, dass Ver­let­zun­gen rück­gän­gig gemacht wer­den. Im Gegen­teil: Lebens­brü­che blei­ben wie Nar­ben sicht­bar, sie gehö­ren zu unse­rem Leben dazu. Und sie machen uns zu den Men­schen, die wir sind. Viel­leicht will der Apos­tel Tho­mas auch genau des­halb die Wund­ma­le Jesu berüh­ren, als er dem Auf­er­stan­de­nen begeg­net. Denn der Auf­er­stan­de­ne lässt sich an sei­nen Ver­wun­dun­gen erkennen.

Ein neues Kapitel ist angebrochen

Brü­che las­sen sich nicht pla­nen und meis­tens auch nicht ver­hin­dern oder gar rück­gän­gig machen. Sie gehö­ren zum Leben und machen uns mensch­lich. Jeder muss selbst sei­nen Weg fin­den, um mit ihnen umzu­ge­hen. Wer an das Evan­ge­li­um glaubt, dem geben jedoch oft gera­de die Bibel­tex­te rund um das Oster­fest in schwie­ri­gen Situa­tio­nen Trost und Hoff­nung. Zwei Bot­schaf­ten erschei­nen mir in die­sen Erzäh­lun­gen ganz zentral:

Ers­tens: Gott ist da. Auch und gera­de im Leid. Er ist auch da, wenn wir ihn viel­leicht gera­de nicht spü­ren kön­nen, wenn er uns kei­ne Ant­wor­ten auf unse­re Fra­gen gibt. Weil er die Brü­che und Ver­let­zun­gen des Lebens am eige­nen Leib erfah­ren hat und als gebro­che­ner Mensch am Kreuz gestor­ben ist.
Und zwei­tens: Der Scher­ben­hau­fen, egal wie groß er erschei­nen mag, ist nicht das Ende unse­rer Lebens­ge­schich­te. Denn mit dem Oster­mor­gen bricht ein neu­es Kapi­tel an. Ein Kapi­tel, von dem es in der Offen­ba­rung des Johan­nes heißt: ​„Der Tod wird nicht mehr sein, kei­ne Trau­er, kei­ne Kla­ge, kei­ne Müh­sal. Denn was frü­her war, ist ver­gan­gen.“ Das ist die Hoff­nung von Chris­tin­nen und Chris­ten, dass der Tod und das Leid kei­ne Rol­le mehr spie­len. Weil an Ostern das Leben siegt!

Wir wünschen Ihnen ein frohes und gesegnetes Osterfest!

Text: Lukas Salzberger

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