Von der peinlichen und bedrückenden bis zur wohltuenden und erfüllenden Stille. In den Monaten November und Dezember begegnet sie uns immer wieder. Eine besondere Stille umfängt uns, wenn wir an Allerheiligen und Allerseelen vermehrt auf die Friedhöfe gehen. Wer dort am Grab eines geliebten Menschen steht, weiß, wie schwer und schier unerträglich diese ungewollte Stille der Einsamkeit sein kann. Es ist eine dramatische Stille, die nach dem Tod eines geliebten Menschen oft da ist, wo vorher das gemeinsame Gespräch und die Zweisamkeit waren. Zugleich fühlen aber viele auch eine friedliche Stille, eine innere Ruhe, ein „Sein lassen“ können.
Die „stille Zeit“
Spätestens ab dem ersten Advent ist die Stille dann wieder in aller Munde, wenn die „stille Zeit“ des Jahres gekommen ist. Für viele ist sie dann oft wirklich schwer zu finden, weil man vielleicht gerne überall dabei sein möchte, keinen enttäuschen und nichts versäumen will. Und oft noch schwerer, als die Stille zu finden ist es, sie auszuhalten. Ist es erst einmal ganz still, können die innere Unruhe, die innere Leere und die tausend Stimmen und Gedanken in einem selbst sehr laut werden.
„Nur bei Gott wird meine Seele still“
Trotzdem oder vielleicht gerade deshalb hat es seinen guten Grund, warum „still und heilig“ oft miteinander verwendet werden. Im Psalm 62 schreibt König David, was schon viele gläubige Menschen erlebt haben: „Nur bei Gott wird meine Seele still“. Gott ist es wohl letztlich, der uns die innere Stille und Ruhe schenkt und die Stille ist es oft, die es uns erst möglich macht, Gottes Gegenwart und uns selbst wahrzunehmen. Wahrscheinlich nicht umsonst feiern wir Gottes Ankunft und DA-SEIN in der Welt in der „stillen, heiligen Nacht“. Ich wünsche uns allen von Herzen, dass wir (nicht nur an Weihnachten) immer wieder „stille, heilige“ Momente erleben können. Momente, in denen die Welt „still“ steht.
Ihre und eure Gemeindereferentin Gertraud Dickgießer

