Gottesdienst

Sich vom Gastgeber verwandeln lassen

Pfarrverband Eichendorf am 04.04.2026

Am vergangenen Donnerstag (02.04.2026), dem Gründonnerstag, zogen Pater Joshy und Pater Jipson mit der Ministrantenschar, Gemeindereferentin Gertraud Dickgießer und zwölf Mitgliedern des Gesamtpfarrgemeinderates bzw. der Kirchenverwaltungen aus dem ganzen Pfarrverband zur Feier des Letzten Abendmahles in die Pfarrkirche Sankt Martinus ein und eröffneten damit das "Triduum Paschale", das auch "Triduum Sacrum" genannt wird. Dabei handelt es sich um die "drei österlichen Tage" von Gründonnerstag bis zur Osternachtsfeier, dem Höhepunkt schlechthin, was Kirchenfeste betrifft. 

Bald nach dem fei­er­li­chen Beginn des Got­tes­diens­tes, zu dem die Pries­ter und Minis­tran­ten in der Fest­far­be weiß geklei­det waren, und einer prä­gnan­ten Ein­füh­rung in Bedeu­tung und Ablauf ließ der Orga­nist Mat­thi­as Aigner zum Glo­ria — dem Lob­ge­sang — die Kir­chen­or­gel laut erklin­gen, die Kir­chen­glo­cken läu­te­ten und die Mess­die­ner klin­gel­ten kräf­tig mit den bei­den neu­en Altar­schel­len und der alt­ehr­wür­di­gen Sakristeiglo­cke. Dann rück­te die Eucha­ris­tie ins Zen­trum des Gesche­hens. In der alt­tes­ta­ment­li­chen Lesung, vor­ge­tra­gen von Lek­to­rin The­re­se Wag­ner, ging es um das Pas­cha­mahl, das ursprüng­li­che Opfer­mahl vor dem Aus­zug der Israe­li­ten aus Ägyp­ten, des­sen jüdi­sche Tra­di­ti­on Jesus — wie die von Lek­to­rin Sophia Zwin­ger vor­ge­tra­ge­ne Lesung aus dem Korin­ther­brief, die die ältes­te Über­lie­fe­rung des Abend­mahls ent­hält, zeig­te — auf­greift und im Bezug auf sein Leben und Ster­ben als neu­en Bund mit Gott deu­tet. Nach der Lesung aus dem Alten Tes­ta­ment ent­zün­de­te Eva-Maria Baum­gart die Meno­ra, den sie­ben­ar­mi­gen Leuch­ter, ein Sym­bol für das Juden­tum, die auf einem Bei­stell­tisch, der auf der rech­ten Sei­te des Lang­schif­fes unter der Kan­zel sei­nen Platz gefun­den hat­te. Dazu gesell­te sich ein Lamm, das tags zuvor noch im Stögmüller’schen Schau­fens­ter in der Platt­lin­ger Stra­ße gegrast hat­te und von Johann Schott auf sei­nen neu­en Wei­de­platz getra­gen wur­de. Dann über­brach­te Ste­fan Pirkl einen Tel­ler mit Fla­den­bro­ten und Lud­wig Stangl stell­te ein geseg­ne­tes Palm­bü­scherl vom ver­gan­ge­nen Jahr, das die beim Pes­sach­mahl ver­wen­de­ten Bit­ter­kräu­ter sym­bo­li­sie­ren soll­te, hin­zu. Schließ­lich run­de­te Josef Knöckl den The­men­tisch mit einer gro­ßen Aus­ga­be des Stutt­gar­ter Alten Tes­ta­ments ab.

Ein Gottesdienst mit drei Tischen

Im Anschluss an die neu­tes­ta­ment­li­che Lesung brach­ten eini­ge der Minis­tran­ten zwei mit Wein bzw. Was­ser gefüll­te Glas­krü­ge, meh­re­re töner­ne Becher und eine gro­ße Hos­tie als Zei­chen für das neu gestif­te­te Abend­mahl auf den zwei­ten Bei­stell­tisch, der unter der Kus­ter­mann-Madon­na stand. Dahin­ter zog die von Maria Kriegl ange­fer­tig­te Jesus-Iko­ne, die der Markt Eichen­dorf vor eini­gen Jah­ren der Pfar­rei geschenkt hat­te, die Bli­cke der Gläu­bi­gen auf sich. Anschlie­ßend ver­kün­de­te Pater Jip­son, unter­stützt von Ger­hard Ebner und Man­fred Buch­ta, das Johan­nes­evan­ge­li­um, das schil­dert, wie Jesus sei­ne Jün­ger beauf­trag­te, das Pas­cha­mahl vor­zu­be­rei­ten und wie Jesus sei­nen Aus­er­wähl­ten die Füße wusch. Nach die­sem Teil des Evan­ge­li­ums wur­de der zu Beginn lee­re Altar­tisch vor­be­rei­tet, bevor Pater Jos­hy als Zei­chen sei­nes Diens­tes die Fuß­wa­schung an den im Altar­raum ver­sam­mel­ten Kir­chen­ver­wal­tungs- und Pfarr­ge­mein­de­rats­mit­glie­dern vor­nahm. ​„Wir ken­nen es alle — das Bild vom Letz­ten Abend­mahl. Der lan­ge Tisch, Jesus in der Mit­te. Um ihn her­um die zwölf Män­ner, die er ein­ge­la­den und aus­er­wählt hat!“, begann der Haupt­ze­le­brant sei­ne Pre­digt. Mit am Ess­tisch: Petrus, der Jesus spä­ter ver­leug­nen wird, Judas, der sei­nen Meis­ter ver­ra­ten wird, Johan­nes, der Jesus so sehr lieb­te. ​„Die drei haben unter­schied­li­che Gefüh­le, Lebens­hin­ter­grün­de, Plä­ne und Lebens­er­fah­run­gen!“, fuhr Pater Jos­hy fort. 

„Die Eucharistie ist die Glut, die unser inneres Feuer neu entfacht!“

Am Grün­don­ners­tag dür­fen sich die Men­schen von heu­te auch um die­sen Tisch her­um ver­sam­meln. Als Men­schen, die einen Petrus oder einen Judas in sich haben, die auch Ver­rat und Ver­leug­nung in ihrem Leben erfah­ren, die sich mit Ver­ge­bung schwer­tun und alte Ver­let­zun­gen wie schwe­re Stei­ne mit sich her­um­tra­gen. ​„Da brau­chen wir ein Mit­tel, das hilft, ein­an­der zu ver­ge­ben und die­se Ver­ge­bung auch anzu­neh­men!“, wand­te sich der Pre­di­ger an sei­ne Zuhö­rer. Und die­ses Mit­tel sei die Eucha­ris­tie. Wer die Kom­mu­ni­on emp­fan­ge, neh­me die bedin­gungs­lo­se Ver­ge­bung, die Jesus am Kreuz sei­nen Pei­ni­gern gewährt hat, in sich auf. Dadurch wer­de das Herz weich, je öfter umso mehr. Aber auch Men­schen, deren Herz stark für den HERRN bren­ne, wie das von Johan­nes, sei­en um die­sen Tisch ver­sam­melt. Ein Mit­tel, das hel­fe und gebraucht wer­de, damit das Feu­er die­ser Lie­be unge­löscht bleibt, sei auch hier die Eucha­ris­tie. ​„Sie ist der Kraft­stoff, der uns hilft, das Feu­er ent­flam­men zu las­sen. Im All­tag wird unser Glau­be oft lau­warm. Wir funk­tio­nie­ren nur noch, anstatt zu bren­nen. Die Eucha­ris­tie ist die Glut, die unser inne­res Feu­er neu ent­facht!“ Sie sei die intims­te Begeg­nung mit dem Gött­li­chen. Wer die Kom­mu­ni­on emp­fan­ge, lege Holz in ein ster­ben­des Feu­er, damit die Lei­den­schaft für Jesus geweckt wird. ​„Weil wir alle unter­schied­lich sind, wie die Jün­ger Jesus am Abend­mahl­tisch, brau­chen wir etwas, das uns mit­ein­an­der als Gemein­schaft ver­bin­det: Das ist die Eucha­ris­tie! Denn hier wird gemein­sam gebe­tet, gemein­sam gesun­gen und jeder emp­fängt das glei­che Brot, das glei­che Wort, das Jesus allein gibt!“, erklär­te er wei­ter. Das Zusam­men­sein mit dem HERRN, die Stun­den, ​„die wir gemein­sam an sei­nem Tisch ver­brin­gen, wer­den uns jetzt und auch spä­ter Kraft schen­ken für die schwe­ren und dunk­len Stun­den.“ Beson­ders wenn die Welt laut und chao­tisch sei, bie­te die Kom­mu­ni­on einen Moment der Stil­le und der Ver­an­ke­rung in der Ewig­keit. ​„Denn wir emp­fan­gen, was wir sind: ​‚Leib Chris­ti‘! Und wir wer­den, was wir emp­fan­gen: ​‚Leib Chris­ti‘! — Dar­um“, for­der­te der Geist­li­che sei­ne Gemein­de zum Schluss sei­ner Pre­digt auf, ​„lasst uns das emp­fan­gen, was Jesus uns schenkt und das wer­den, war wir empfangen!“

„Das ist heute“

Nach dem Glau­bens­be­kennt­nis, den Für­bit­ten und der Gaben­be­rei­tung folg­ten das Sanc­tus und die Wand­lung, deren Wort­laut nur am Grün­don­ners­tag um ​„und das ist heu­te“ ergänzt wird. Zum Vater­un­ser war jeder ein­ge­la­den, sei­nen ​„Nach­barn“ die Hän­de zu geben und gemein­sam zu beten. Nach dem Agnus Dei reich­ten Pater Jos­hy und Pater Jip­son die Kom­mu­ni­on in bei­den Gestal­ten. Pater Jos­hy freu­te sich zum Schluss des ers­ten Teils des Tri­du­ums über all die­je­ni­gen, die ins Zen­trum von Eichen­dorf gekom­men sind. In die­sem Jahr haben ins­ge­samt 127 Gläu­bi­ge den Weg in das gro­ße Eichen­dor­fer Got­tes­haus gefun­den — deut­lich mehr als im ver­gan­ge­nen Jahr. In Anbe­tracht der immensen Bedeu­tung des Gesche­hens am Grün­don­ners­tag immer noch eine ver­gleichs­wei­se klei­ne Her­de. Schließ­lich hat Jesus selbst das Sakra­ment der Eucha­ris­tie ein­ge­setzt und sei­nen Jün­gern den Auf­trag gege­ben, das Abend­mahl in sei­nem Gedächt­nis zu fei­ern. Es wären noch jede Men­ge Plät­ze frei gewe­sen, um das Letz­te Abend­mahl gemein­sam zu fei­ern. Es sei zwar auch die­ses Jahr wie­der nicht ganz ein­fach gewe­sen, zwölf Füße aus­fin­dig zu machen, die sich — wie damals die 24 der zwölf Apos­tel im Abend­mahl­saal — vom Pries­ter waschen las­sen. Umso dank­ba­rer war Pater Jos­hy für die­je­ni­gen, die den Mut bewie­sen haben, mit ein­zu­zie­hen, wäh­rend der Mes­se mit dem lit­ur­gi­schen Dienst im Altar­raum zu blei­ben, ihren rech­ten Fuß hin­zu­hal­ten und damit ihren Glau­ben in der Öffent­lich­keit zu zei­gen. Das stim­me ihn zuver­sicht­lich. In ande­ren Pfar­rei­en­gemein­schaf­ten gäbe es so etwas schon lan­ge nicht mehr. Dabei sei die Fuß­wa­schung ein solch inten­si­ves Zei­chen des Lie­bes­diens­tes Jesu, der sich als Meis­ter zum Die­ner mach­te und damit sei­nen Jün­gern das Bei­spiel dafür gab, wie sie anein­an­der han­deln sollten. 

Pater Joshy dankte allen Beteiligten

Schließ­lich dank­te Pater Jos­hy auch ​„sei­nen“ Minis­tran­ten, die vol­ler Fleiß und Dienst­ei­fer aus dem gan­zen Pfarr­ver­band nach Eichen­dorf gekom­men waren. Dann sprach der Geist­li­che allen Lek­to­ren, dem Kom­mu­ni­on­hel­fer sowie Mat­thi­as Aigner und Lukas Salz­ber­ger, die die Fei­er vom Letz­ten Abend­mahl zusam­men musi­ka­lisch gestal­te­ten, ein herz­li­ches ​„Vergelt’s Gott!“ aus. Auch an Ste­pha­nie Alt­mann vom Mes­ner­team rich­te­te der Zele­brant ein Wort des Dan­kes. Zu guter Letzt gebüh­re — stell­ver­tre­tend für vie­le — auch Ste­pha­nies Ehe­mann Uli, der — tat­kräf­tig unter­stützt von sei­nen Kol­le­gen aus dem Medi­en­aus­schuss, den frei­en Mit­ar­bei­tern der Land­au­er Zei­tung und der Land­au­er Neu­en Pres­se (Vere­na Hendl­mei­er und Franz Zeh­rer) und dem gro­ßen Wohl­wol­len der Redak­teu­re der bei­den Lokal­zei­tun­gen, des Eichen­dor­fer Rat­haus­fens­ters und dem Pas­sau­er Bis­tums­blatt sowie den Gestal­tern des Pfarr­briefs und der Pfarr­ver­bands­home­page — in sei­ner Frei­zeit einen Teil der Öffent­lich­keits­ar­beit des Pfarr­ver­ban­des über­nimmt, damit die Leu­te spä­tes­tens bei der Lek­tü­re der Tages­zei­tung erfah­ren, was sie ver­säumt haben, wenn sie nicht live an den viel­fäl­ti­gen Ange­bo­ten der Kir­che teil­ge­nom­men haben. Im Anschluss an den ers­ten Teil der ​„längs­ten Mes­se der Welt“, der sin­ni­ger­wei­se ohne Schluss­se­gen ende­te — waren dann alle nach der in Form einer Pro­zes­si­on gestal­te­ten Über­füh­rung des Aller­hei­ligs­ten noch in die grün illu­mi­nier­te Sebas­tia­nika­pel­le ein­ge­la­den, wo bereits alles für die anschlie­ßen­de Ölber­g­an­dacht vor­be­rei­tet war.

Bericht und Fotos: Ulrich Altmann

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