Festgottesdienst

Unterwegs als „lebendige Monstranzen“

Pfarrverband Eichendorf am 21.06.2025

Am vergangenen Donnerstag (19.06.2025) feierten die Eichendorfer Katholiken das „Hochfest des Leibes und Blutes Christi“, wie das Fronleichnamsfest eigentlich heißt (im Althochdeutschen steht "fron" für "Herr" und "lichnam" für "Leib"). 

Genau am 60. Tag nach Ostern wird eine — auf den ers­ten Blick — klei­ne unschein­ba­re Obla­te durch die Stra­ßen getra­gen. Doch für gläu­bi­ge Katho­li­ken wird die­se Hos­tie durch die Wand­lung im Got­tes­dienst zum ​“Leib Chris­ti”, der blei­ben­den Gegen­wart des auf­er­stan­de­nen Chris­tus. So eröff­ne­te Pater Jos­hy Punkt 9.00 Uhr früh den fei­er­li­chen Got­tes­dienst, den der Musi­ka­li­sche Ver­ein Eichen­dorf unter der Lei­tung von Iris Wun­der­lich — mit Lydia Schropp an der neu­en Kir­chen­or­gel — kraft­voll musi­ka­lisch gestal­te­te. Beson­ders freu­te sich der Eichen­dor­fer Pfarr­ad­mi­nis­tra­tor, dass auch Kin­der und Jugend­li­che den Got­tes­dienst mit­fei­er­ten. Nach den Kyrie-Rufen, dem Glo­ria, der Lesung und dem Evan­ge­li­um brach­te Pater Jos­hy die Got­tes­dienst­be­su­cher zum Nachdenken. 

In der Beziehung mit Jesus wachsen

„Wir fei­ern heu­te das Fest des hei­li­gen Lei­bes Jesus. Das Wort ist Fleisch gewor­den, um in uns und unter uns zu woh­nen!“, begann der Geist­li­che. Dabei gehe es um eine inni­ge Bezie­hung, ohne die kei­ne Wohn­ge­mein­schaft gesche­hen kön­ne. Eine Bezie­hung lebe von Nähe, von gegen­sei­ti­gen Gesprä­chen, von Zeit mit­ein­an­der. Eucha­ris­tie sei ein gegen­sei­ti­ger Aus­tausch, eine Zeit mit­ein­an­der, eine Begeg­nung mit Jesus, in der er ​„uns mit sei­nem Leib stärkt“. Und wie jede Bezie­hung müs­se auch die­se Bezie­hung wach­sen. Sie brau­che auch Pfle­ge. ​„Dar­um brau­chen wir, dass wir oft Eucha­ris­tie fei­ern, sein Wort hören und sei­nen Leib emp­fan­gen! Denn die inni­ge Bezie­hung zu Jesus macht uns fähig, sei­ne Lie­be kon­kret wer­den zu las­sen — im All­tag, in unse­ren Fami­li­en, in der Welt!“, beton­te Pater Jos­hy. ​„Wenn wir heu­te das Aller­hei­ligs­te durch die Stra­ßen tra­gen, wol­len wir beken­nen, dass wir mit Jesus eine inni­ge Bezie­hung haben, dass wir leben­di­ge Mons­tran­zen sein wol­len. Als leben­di­ge Mons­tran­zen wol­len wir mehr Leben schaf­fen in unse­ren Fami­li­en, in der Umge­bung, durch ver­ge­ben­de Lie­be, durch Barm­her­zig­keit und durch Schrit­te, die Frie­den brin­gen!“, so der Pre­di­ger wei­ter. Die­se inni­ge Bezie­hung zu Jesus soll nicht nur in unse­rem Her­zen woh­nen, son­dern sicht­bar wer­den ​„in unse­rem Han­deln, in unse­rem Umgang mit­ein­an­der und in unse­rem Ein­satz für die Gemein­schaft“. Das Fron­leich­nams­fest ende nicht nach der Mes­se und der anschlie­ßen­den Pro­zes­si­on. ​„Wir sind beauf­tragt, als leben­di­ge Mons­tran­zen, als leuch­ten­de, manch­mal auch ganz schlich­te Gefä­ße der Gegen­wart Got­tes, nach Hau­se zu gehen, damit die Mit­men­schen spü­ren und glau­ben kön­nen, dass Jesus in uns wohnt und dass wir in ihm woh­nen!“, schloss Pater Jos­hy sei­ne Predigt.

Feierliche Fronleichnamsprozession

Im Anschluss an das gemein­sa­me Glau­bens­be­kennt­nis folg­ten die Für­bit­ten, die — wie die Lesung — Pfarr­ge­mein­de­rats­mit­glied Ulrich Alt­mann vor­trug. Im Anschluss an die Eucha­ris­tie­fei­er über­trug Pater Jos­hy die gewan­del­te Hos­tie in die Mons­tranz. Vier kräf­ti­ge Bur­schen der KLJB Eichen­dorf-Pitz­ling über­nah­men nach der Anbe­tung des Aller­hei­ligs­ten die ehren­vol­le Auf­ga­be, den ​„Him­mel“ zu tra­gen, einen kunst­voll gewo­be­nen bzw. bestick­ten Bal­da­chin, der in Eichen­dorf den Hei­li­gen Geist in Gestalt einer in Pro­zes­si­ons­rich­tung ​„flie­gen­den“ Tau­be und an den Sei­ten­be­hän­gen die vier Evan­ge­lis­ten in Medail­lons mit rei­chem Rank­werk zeigt. Die vier ver­zier­ten Tra­ge­stan­gen aus Holz — von denen die bei­den auf zur Rech­ten einer­seits und die bei­den zur Lin­ken ande­rer­seits jeweils mit einer höl­zer­nen Stan­ge mit­ein­an­der ver­bun­den und die alle mit einer gold­far­be­nen Zir­bel­nuss gekrönt sind — müs­sen dabei genau den rich­ti­gen Abstand zuein­an­der haben, damit das pracht­vol­le Kunst­werk — im wahrs­ten Sin­ne des Wor­tes — zur Ent­fal­tung kommt. Die Zir­bel­nuss, die oft auch als Pini­en­zap­fen bezeich­net wird, spielt eine bedeu­ten­de Rol­le in der Heral­dik. Im römi­schen Reich galt sie als Sym­bol für Frucht­bar­keit und Unsterb­lich­keit, und die­se Sym­bo­lik wur­de im Chris­ten­tum für den Lebens­baum und die Auf­er­ste­hung übernommen.

Mit dem Allerheiligsten durch die Straßen gezogen

Die Got­tes­diens­teil­neh­me­rin­nen und ‑teil­neh­mer for­mier­ten sich — nach der Bekannt­ga­be der Pro­zes­si­ons­ord­nung durch Gesamt-Pfarr­ge­mein­de­rats­vor­sit­zen­den Franz Rat­zis­ber­ger, der Pater Jos­hy schon wäh­rend des Got­tes­diens­tes als Kom­mu­ni­on­hel­fer unter­stütz­te — am Kir­chen­vor­platz ent­lang des Markt­plat­zes zum Kir­chen­zug. Vie­le flei­ßi­ge Hel­fe­rin­nen und Hel­fer hat­ten schon früh am Mor­gen die vier Altä­re auf­ge­baut und geschmückt bzw. die Tage zuvor die Plät­ze und Stra­ßen dafür auf Vor­der­mann gebracht und die Häu­ser beflaggt. Wäh­rend Ste­pha­nie Alt­mann vom Mes­ner­team die Kir­chen­glo­cken läu­te­te, setz­te sich der Zug zum ers­ten Altar, der am Markt­platz vor dem Anwe­sen der Fami­lie Sträußl auf­ge­baut wor­den war, in Bewe­gung. Der zwei­te Altar befand sich beim Senio­ren­heim St. Mar­tin in der Land­au­er Stra­ße, der drit­te vor dem Park­platz der VR-Bank am Ober­an­ger und der vier­te an der Mari­en­säu­le. Die Spit­ze des Zuges bil­de­te Minis­trant Felix Sträußl mit dem bron­ze­nen Vor­trag­kreuz. Ihm schlos­sen sich die Abord­nung der KLJB Eichen­dorf-Pitz­ling, die Kin­der, die für den ​„Pran­ger­tag“ Blü­ten gesam­melt hat­ten, um sie zur Ehre Jesu an den Altä­ren zu streu­en, und die Abord­nung des Musi­ka­li­schen Ver­eins an. Nach den übri­gen Minis­tran­ten und den drei teil­neh­men­den Erst­kom­mu­ni­on­kin­dern folg­te — von Pater Jos­hy in der Mons­tranz getra­gen — der Leib Chris­ti unter dem prunk­vol­len Pro­zes­si­ons­bal­da­chin. Als Vor­be­ter wäh­rend der Pro­zes­si­on fun­gier­te Franz Rat­zis­ber­ger. Kir­chen­ver­wal­tungs­mit­glied Alo­is Weber sorg­te als Laut­spre­cher­trä­ger für eine her­vor­ra­gen­de Beschal­lung. Den übri­gen anwe­sen­den Pfarr­ge­mein­de­rats- und Kir­chen­ver­wal­tungs­mit­glie­dern schloss sich das wei­te­re Volk Got­tes an.

An vier Altären wurde gesungen und gebetet

An jedem der vier fest­lich geschmück­ten Altä­re wur­de die Fro­he Bot­schaft ver­kün­det, gemein­sam Für­bit­te gehal­ten, vom Musi­ka­li­schen Ver­ein — von Hil­de­gard Hagen­bur­ger an der Gitar­re beglei­tet — gesun­gen und abschlie­ßend mit dem Aller­hei­ligs­ten — beglei­tet vom Klang der Altar­schel­len — der Segen gespen­det. Wie­der in der Pfarr­kir­che ange­kom­men, spen­de­te Pater Jos­hy noch den fei­er­li­chen Schluss­se­gen und bedank­te sich bei allen, die zum Gelin­gen des Hoch­fes­tes bei­getra­gen hat­ten, so dank­te er beson­ders auch den Kame­ra­din­nen und Kame­ra­den der Eichen­dor­fer Feu­er­wehr, die für die Stra­ßen­sper­rung und die Umlei­tung des Stra­ßen­ver­kehrs Sor­ge tru­gen und dem Gräf­li­chen Haus Arco, das auch heu­er wie­der die Bir­ken für das Got­tes­haus und die Pro­zes­si­ons­al­tä­re gespen­det hat­te. Der beson­de­re Dank Pater Jos­hys galt neben den Fah­nen­ab­ord­nun­gen, Minis­tran­ten, Lek­to­ren und der Mes­ne­rin nament­lich auch den Betreue­rin­nen und Betreu­ern der vier Altä­re: Bri­git­te und Rudi Sträußl sowie Franz Rat­zis­ber­ger, dem Per­so­nal des AWO Senio­ren­hei­mes St. Mar­tin, Hil­de­gard Hartl, den Ober­mi­nis­tran­ten und Minis­tran­ten, die — hand­werk­lich unter­stützt — von Mess­die­ner Andre­as Fleisch­mann und zusam­men mit Wil­ma Brun­ner den sei­ner­zeit von Micha­el Hartl kon­stru­ier­ten und ange­fer­tig­ten Altar vor dem VR-Bank-Park­platz am Ober­an­ger auf­ge­baut hat­ten, sowie Caro­lin Alt­mann und Karin Zosch­ke. Zum Schluss des Got­tes­diens­tes wur­de gemein­sam das ​„Gro­ßer Gott, wir loben Dich!“ angestimmt.

Bericht und Fotos: Ulrich Altmann

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