Genau am 60. Tag nach Ostern wird eine — auf den ersten Blick — kleine unscheinbare Oblate durch die Straßen getragen. Doch für gläubige Katholiken wird diese Hostie durch die Wandlung im Gottesdienst zum “Leib Christi”, der bleibenden Gegenwart des auferstandenen Christus. So eröffnete Pater Joshy Punkt 9.00 Uhr früh den feierlichen Gottesdienst, den der Musikalische Verein Eichendorf unter der Leitung von Iris Wunderlich — mit Lydia Schropp an der neuen Kirchenorgel — kraftvoll musikalisch gestaltete. Besonders freute sich der Eichendorfer Pfarradministrator, dass auch Kinder und Jugendliche den Gottesdienst mitfeierten. Nach den Kyrie-Rufen, dem Gloria, der Lesung und dem Evangelium brachte Pater Joshy die Gottesdienstbesucher zum Nachdenken.
In der Beziehung mit Jesus wachsen
„Wir feiern heute das Fest des heiligen Leibes Jesus. Das Wort ist Fleisch geworden, um in uns und unter uns zu wohnen!“, begann der Geistliche. Dabei gehe es um eine innige Beziehung, ohne die keine Wohngemeinschaft geschehen könne. Eine Beziehung lebe von Nähe, von gegenseitigen Gesprächen, von Zeit miteinander. Eucharistie sei ein gegenseitiger Austausch, eine Zeit miteinander, eine Begegnung mit Jesus, in der er „uns mit seinem Leib stärkt“. Und wie jede Beziehung müsse auch diese Beziehung wachsen. Sie brauche auch Pflege. „Darum brauchen wir, dass wir oft Eucharistie feiern, sein Wort hören und seinen Leib empfangen! Denn die innige Beziehung zu Jesus macht uns fähig, seine Liebe konkret werden zu lassen — im Alltag, in unseren Familien, in der Welt!“, betonte Pater Joshy. „Wenn wir heute das Allerheiligste durch die Straßen tragen, wollen wir bekennen, dass wir mit Jesus eine innige Beziehung haben, dass wir lebendige Monstranzen sein wollen. Als lebendige Monstranzen wollen wir mehr Leben schaffen in unseren Familien, in der Umgebung, durch vergebende Liebe, durch Barmherzigkeit und durch Schritte, die Frieden bringen!“, so der Prediger weiter. Diese innige Beziehung zu Jesus soll nicht nur in unserem Herzen wohnen, sondern sichtbar werden „in unserem Handeln, in unserem Umgang miteinander und in unserem Einsatz für die Gemeinschaft“. Das Fronleichnamsfest ende nicht nach der Messe und der anschließenden Prozession. „Wir sind beauftragt, als lebendige Monstranzen, als leuchtende, manchmal auch ganz schlichte Gefäße der Gegenwart Gottes, nach Hause zu gehen, damit die Mitmenschen spüren und glauben können, dass Jesus in uns wohnt und dass wir in ihm wohnen!“, schloss Pater Joshy seine Predigt.
Feierliche Fronleichnamsprozession
Im Anschluss an das gemeinsame Glaubensbekenntnis folgten die Fürbitten, die — wie die Lesung — Pfarrgemeinderatsmitglied Ulrich Altmann vortrug. Im Anschluss an die Eucharistiefeier übertrug Pater Joshy die gewandelte Hostie in die Monstranz. Vier kräftige Burschen der KLJB Eichendorf-Pitzling übernahmen nach der Anbetung des Allerheiligsten die ehrenvolle Aufgabe, den „Himmel“ zu tragen, einen kunstvoll gewobenen bzw. bestickten Baldachin, der in Eichendorf den Heiligen Geist in Gestalt einer in Prozessionsrichtung „fliegenden“ Taube und an den Seitenbehängen die vier Evangelisten in Medaillons mit reichem Rankwerk zeigt. Die vier verzierten Tragestangen aus Holz — von denen die beiden auf zur Rechten einerseits und die beiden zur Linken andererseits jeweils mit einer hölzernen Stange miteinander verbunden und die alle mit einer goldfarbenen Zirbelnuss gekrönt sind — müssen dabei genau den richtigen Abstand zueinander haben, damit das prachtvolle Kunstwerk — im wahrsten Sinne des Wortes — zur Entfaltung kommt. Die Zirbelnuss, die oft auch als Pinienzapfen bezeichnet wird, spielt eine bedeutende Rolle in der Heraldik. Im römischen Reich galt sie als Symbol für Fruchtbarkeit und Unsterblichkeit, und diese Symbolik wurde im Christentum für den Lebensbaum und die Auferstehung übernommen.
Mit dem Allerheiligsten durch die Straßen gezogen
Die Gottesdiensteilnehmerinnen und ‑teilnehmer formierten sich — nach der Bekanntgabe der Prozessionsordnung durch Gesamt-Pfarrgemeinderatsvorsitzenden Franz Ratzisberger, der Pater Joshy schon während des Gottesdienstes als Kommunionhelfer unterstützte — am Kirchenvorplatz entlang des Marktplatzes zum Kirchenzug. Viele fleißige Helferinnen und Helfer hatten schon früh am Morgen die vier Altäre aufgebaut und geschmückt bzw. die Tage zuvor die Plätze und Straßen dafür auf Vordermann gebracht und die Häuser beflaggt. Während Stephanie Altmann vom Mesnerteam die Kirchenglocken läutete, setzte sich der Zug zum ersten Altar, der am Marktplatz vor dem Anwesen der Familie Sträußl aufgebaut worden war, in Bewegung. Der zweite Altar befand sich beim Seniorenheim St. Martin in der Landauer Straße, der dritte vor dem Parkplatz der VR-Bank am Oberanger und der vierte an der Mariensäule. Die Spitze des Zuges bildete Ministrant Felix Sträußl mit dem bronzenen Vortragkreuz. Ihm schlossen sich die Abordnung der KLJB Eichendorf-Pitzling, die Kinder, die für den „Prangertag“ Blüten gesammelt hatten, um sie zur Ehre Jesu an den Altären zu streuen, und die Abordnung des Musikalischen Vereins an. Nach den übrigen Ministranten und den drei teilnehmenden Erstkommunionkindern folgte — von Pater Joshy in der Monstranz getragen — der Leib Christi unter dem prunkvollen Prozessionsbaldachin. Als Vorbeter während der Prozession fungierte Franz Ratzisberger. Kirchenverwaltungsmitglied Alois Weber sorgte als Lautsprecherträger für eine hervorragende Beschallung. Den übrigen anwesenden Pfarrgemeinderats- und Kirchenverwaltungsmitgliedern schloss sich das weitere Volk Gottes an.
An vier Altären wurde gesungen und gebetet
An jedem der vier festlich geschmückten Altäre wurde die Frohe Botschaft verkündet, gemeinsam Fürbitte gehalten, vom Musikalischen Verein — von Hildegard Hagenburger an der Gitarre begleitet — gesungen und abschließend mit dem Allerheiligsten — begleitet vom Klang der Altarschellen — der Segen gespendet. Wieder in der Pfarrkirche angekommen, spendete Pater Joshy noch den feierlichen Schlusssegen und bedankte sich bei allen, die zum Gelingen des Hochfestes beigetragen hatten, so dankte er besonders auch den Kameradinnen und Kameraden der Eichendorfer Feuerwehr, die für die Straßensperrung und die Umleitung des Straßenverkehrs Sorge trugen und dem Gräflichen Haus Arco, das auch heuer wieder die Birken für das Gotteshaus und die Prozessionsaltäre gespendet hatte. Der besondere Dank Pater Joshys galt neben den Fahnenabordnungen, Ministranten, Lektoren und der Mesnerin namentlich auch den Betreuerinnen und Betreuern der vier Altäre: Brigitte und Rudi Sträußl sowie Franz Ratzisberger, dem Personal des AWO Seniorenheimes St. Martin, Hildegard Hartl, den Oberministranten und Ministranten, die — handwerklich unterstützt — von Messdiener Andreas Fleischmann und zusammen mit Wilma Brunner den seinerzeit von Michael Hartl konstruierten und angefertigten Altar vor dem VR-Bank-Parkplatz am Oberanger aufgebaut hatten, sowie Carolin Altmann und Karin Zoschke. Zum Schluss des Gottesdienstes wurde gemeinsam das „Großer Gott, wir loben Dich!“ angestimmt.
Bericht und Fotos: Ulrich Altmann

