Am Pitzlinger Kapellplatz war der mit prächtigen Blumen geschmückte Altar am vergangenen Samstagabend (06.07.2024) bereits aufgebaut, das Altarkreuz, der Kelch und die Ziborien waren bereitgestellt und die Altarkerzen angezündet, die Kirchenbierbänke waren aufgestellt, die Lautsprecheranlage und das Keyboard installiert, eingestellt und getestet.
Außerdem hatte sich der Kirchenchor der Pfarrei Hartkirchen — unter der Leitung von Organistin Simone Regirt am Keyboard und begleitet von Franz Waldherr an der Gitarre — bereits warmgesungen. Die vier Ministranten standen eingekleidet bereit. Und auch die Gläubigen der Pfarrei Hartkirchen hatten sich zahlreich dort eingefunden. Nach einem letzten sorgenvollen Blick in den Pitzlinger Himmel, an dem sich tiefdunkle Wolken aufgetürmt hatten, und auf seine Uhr, die noch knapp zehn Minuten zum offiziellen Gottesdienstbeginn anzeigte, schaute Pater Joshy mit gerunzelter Stirn und einem Lächeln im Gesicht in die Runde und richtete eine entscheidende Frage an die Anwesenden: „Was sollen wir tun?“ Die Antwort war eindeutig: „Dableiben und früher anfangen!“ Der Geistliche eröffnete den Familiengottesdienst mit dem Kreuzzeichen und begrüßte die Mitfeiernden mit einem herzlichen „Grüß Gott!“. Nach der Statio kamen die Kinder, die die zum Thema des Gottesdienstes passenden Kyrierufe vortrugen, zu Gemeindereferentin Gertraud Dickgießer, die den Gottesdienst zusammen mit ihrem Team vorbereitet hatte.
„Wer glaubt, darf der sein, der er wirklich ist.“
Nach der Lesung und dem Halleluja folgte die Verkündigung des Markusevangeliums. Pater Joshy wurde dabei von vielen Kindern unterstützt, die die Rolle der Menschen aus Jesu Heimat Nazareth übernahmen, von seinen Wundern gehört hatten, ihn am Sabbat in der Synagoge selbst hören wollten und ihn, nur weil er einer aus ihrer Mitte war, ablehnten und Anstoß an ihm nahmen. „Nirgends ist ein Prophet ohne Ansehen außer in seiner Heimat, bei seinen Verwandten und in seiner Familie!“, erwiderte Jesus. Und außer der Heilung einiger Kranken, konnte er in seiner Heimat keine Machttaten vollbringen. „Der Unglaube der Gläubigen scheint ein altes Problem zu sein!“, eröffnete Pater Joshy seine Predigt. „Wo Menschen Jesu Worte hören und das in ihnen auch etwas bewirkt, wo sie Jesus im Inneren annehmen, an ihn glauben, mit ihm verbunden sind, können Wunder geschehen, können Menschen und Situationen sich verwandeln. In Verbindung mit ihm, kann der Mensch der sein, der er wirklich ist!“, so der Geistliche weiter. „Oft tragen wir im übertragenen Sinn Masken vor dem Gesicht, wir spielen verschiedene Rollen und wissen manchmal selber gar nicht mehr, wer wir wirklich sind und wie wir eigentlich sein könnten!“, fuhr Pater Joshy fort und lud alle Kinder, die mochten, ein, die Masken, die ihnen Valentina Schweitzer zu Beginn des Gottesdienstes ausgeteilt hatte, aufzusetzen und sich um ein Kreuz mit langen bunten Bändern, das Laurenz Hötzinger vor den Altar im Freien gebracht hatte, zu versammeln.
Masken wurden abgelegt
„Wer mit Jesus verbunden, wer seine Liebe spürt, der braucht diese Masken nicht mehr, der kann sich verwandeln, der kann Wunder erleben!“, schloss der Prediger. Jedes der Kinder durfte dann seine Maske abnehmen und sich, um die Gemeinschaft mit Jesus und untereinander zum Ausdruck zu bringen, ein Band nehmen, was sich bei dem starken Wind und dem mindestens ebenso starken Willen der Kinder anfänglich nicht einfach gestaltete: „Wie im richtigen Leben!“, schmunzelte Gemeindereferentin Gertraud Dickgießer. Um diese große Gemeinschaft besonders zu betonen, wurde dieses Mal ausnahmsweise das Vaterunser direkt im Anschluss an die Predigt gebetet. Alle Gläubigen waren eingeladen, sich dazu die Hände zu reichen und anschließend gegenseitig den Frieden zu wünschen.
Pater Joshy dankte den Mitwirkenden
Dann trugen Martina Altschäffl und Sabine Ludwig — anstelle der Fürbitten — eine Meditation über das Vaterunser, das Jesus seinen Jüngern gelehrt hat, vor. Nachdem sich Pater Joshy bei allen Mitwirkenden bedankt hatte, hob er kurz vor dem Schlusssegen seine Arme und seinen Blick zum Himmel und dankte Gott dafür, dass er es während des Gottesdienstes nicht regnen hatte lassen. Kaum war das „Gehet hin in Frieden!“ verhallt, waren die ersten Regentropfen zu spüren. Fröhlich, flott und mit vereinten Kräften wurde am Kapellplatz abgebaut und die Gottesdienstbesucher begaben sich eilends und mit aufgespannten Regenschirmen über die Staatsstraße zum Knöckl-Hof, wo beim Pfarrfest weitergefeiert wurde.
Anschließendes Pfarrfest im Knöckl-Hof
Nach dem Gottesdienst wurde am Hof von Andreas und Kathrin Knöckl, zu dem auch die Kapelle gehört, weitergefeiert. Die Kirchenverwaltung und die Mitglieder des Pfarrgemeinderates der Pfarrei Hartkirchen, ihre Angehörigen und Freunde, vor allem auch die Ministranten, hatten getreu dem Leitthema des Gottesdienstes „Gemeinschaft mit Jesus und untereinander“ ein schönes Fest vorbereitet. Die Gäste wurden mit Getränken, Schweinswürsteln, Semmeln und Kraut bestens versorgt. Mit frisch aufgeschnittenem Emmentaler, reschen Brezen sowie — heuer erstmals — Käsespätzle, die in einer Riesenpfanne zubereitet und mit Röstzwiebeln und frisch geschnittener Petersilie garniert wurden, war auch für die Freunde der vegetarischen Küche etwas Besonderes geboten. Nachdem der erste Hunger gestillt worden war, begrüßte Pfarreisprecher Josef Knöckl die zahlreichen Gäste aus der Pfarrei Hartkirchen, den anderen Pfarreien des Pfarrverbandes und darüber hinaus im Namen aller Verantwortlichen ganz herzlich. In seinen Dank schloss er alle Mitwirkenden mit ein und bedankte sich besonders bei Andreas und Kathrin Knöckl, dass sie es auch heuer wieder möglich gemacht haben, auf ihrem Hof samt Kapelle den Familiengottesdienst und das Pfarrfest zu feiern.
Beste Unterhaltung und gute Stimmung
Oberministrant Sebastian Frischhut bedankte sich bei allen, die die Ministranten der Pfarrei — egal, ob sie in Hartkirchen, Reichstorf oder Pitzling ihren Dienst tun — so großherzig mit Spenden unterstützt haben. Anschließend überreichte Schützenmeisterin Stefanie Feicht die Schützenscheibe, die Ihr Vater Manfred Götz angefertigt hatte und die den Knöckl-Hof zeigt, zum 300-jährigen Hofjubiläum an Anna Maria, Benedikt und Johannes Knöckl. Die beiden Damen von der Kuchen- und Tortentheke hielten eine reiche Auswahl süßen Gebäcks bereit. Vor den Hallentoren ergoss sich der Regen mittlerweile in Strömen, was die vielen Kinder aber nicht davon abhielt, die aufgebaute Hüpfburg für sich einzunehmen. Franz Waldherr sorgte den ganzen Abend über mit dem Keyboard und flotten Liedern für die musikalische Unterhaltung. Besonders Kirchenpfleger und Erster Bürgermeister Josef Beham und Pater Joshy freuten sich im Namen aller Verantwortlichen über den Erlös des Pfarrfestes, der der Pfarrei Hartkirchen zu Gute kommt.
Bericht und Fotos: Ulrich Altmann

