Im Bistum Passau sind die Angehörigen der Pfarrei Hartkirchen jedes Jahres am 14. August repräsentativ für das ganze Bistum dafür ausgewählt, ununterbrochen, mindestens stundenweise, vor dem in der Monstranz ausgesetzten Altarsakrament zu beten. Zur Todesstunde des Erlösers setzte Pfarrvikar Pater Jipson Perumpuzhakadavil HGN am diesjährigen Anbetungstag den Leib Christi in der Gestalt der Hostie zur Anbetung am Zelebrationsaltar aus. Die treuen Gebetswächterinnen und ‑wächter hatten sich untereinander abgestimmt, um — der Anweisung der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung gemäß — zu gewährleisten, dass die Aussetzung des Allerheiligsten niemals ohne hinreichende Gebetswache stattfindet. Während der Zeit der stillen Anbetung gesellten sich immer wieder Gläubige hinzu, besonders als dann von Maria Hötzinger und Josef Knöckl senior der glorreiche Rosenkranz vorgebetet wurde.
Im Anschluss an das Rosenkranzgebet, spendete Pater Jipson — während die Ministranten (Matthias und Magdalena Altschäffl, Elias Beham und Franz Knöckl) die Altarschellen kräftig erklingen ließen und das Weihrauchfaß schwangen — den anwesenden Gläubigen den Eucharistischen Segen. Nachdem der Pfarrvikar das Allerheiligste — das in einem halbmondförmigen Gefäß (der Lunula) gehalten wird — aus der Monstranz entnahm, in die Kustodia — ein gesondertes liturgisches Gefäß und ein Zeichen dafür, dass Gott über die Menschen wacht — eingesetzt und in den Tabernakel überführte, ertönte die Sakristeiglocke und es wurde gemeinsam der Patroziniumsgottesdienst gefeiert, worüber wir gesondert berichten.
…ist eine alte Tradition der römisch-katholischen Kirche. Katholiken glauben an die wahrhafte Gegenwart Jesu Christi in den Gestalten der Eucharistie, also in der während einer Heiligen Messe zum Leib Christi gewandelten Hostie bzw. zum Blut Christi gewandelten (während der Liturgie mit Wasser verdünntem) Wein. Wie bei Wikipedia zu lesen ist, soll diese Tradition im 10. Jahrhundert in Klöstern entstanden sein. Das Lexikon für Theologie und Kirche sieht den geschichtlichen Ursprung (im zweiten Jahrhundert) im 40-tägigen Gebetsfasten zur Erinnerung an die Grabesruhe Christi und im Passionsbrauch der Grablegung, bei dem außer Kreuz oder Skulptur Christi teilweise auch die Eucharistie im Sepulcrum (lat. Ruhestätte — kleine Reliquiengruft im Altartisch) deponiert wurde (so die Vita des Heiligen Ulrichs von Augsburg, 937). Aus dieser Gebetsform entwickelte sich dann das ewige (immerwährende) Gebet vor dem in der Monstranz ausgesetzten Altarsakrament. Um die Präsenz Christi in der Welt ständig gegenwärtig zu halten und sich immer daran zu erinnern, wurde die stille oder liturgische gestaltete Anbetung zu jeder Tages- und Nachtstunde eingeführt, also 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche.
Bericht und Fotos: Ulrich Altmann

