Getreu dem „Motto“ des 4. Verses des Psalms 25 („Zeige mir, HERR, Deine Wege und lehre mich Deine Pfade!“) hatte Pfarradministrator Pater Joshy für Samstag, 01.08.2026, alle, die sich die insgesamt ca. über 40 Kilometer lange Strecke nach Aldersbach und wieder zurück zutrauten, eingeladen, an der dritten Radwallfahrt des Pfarrverbandes teilzunehmen.
Ein großer Teil der insgesamt knapp über 60 angemeldeten E‑Bikerinnen und ‑Biker stand pünktlich um 8.00 Uhr in der Frühe am Pfarrzentrum bereit, um nach dem Reisesegen, den der Geistliche zu Beginn der Pilgerfahrt spendete, gemeinsam in die Pedale zu treten und Richtung Kröhstorf aufzubrechen. In drei Gruppen aufgeteilt und von zwei verbrennermotorbetriebenen Fahrzeugen begleitet machten sich die Pedal-Pilger über den Radweg nach Enzerweis, Dornach und Jahrstorf (wo sich jeweils weitere Radler zu den Gruppen hinzugesellten) auf. In Kröhstorf bogen die drei Gruppen dann nach Gergweis ab, ehe es — vorwiegend weitab der starkbefahrenen Straßen — über Kriestorf ans Ziel der Wallfahrt weiterging. Währenddessen — gegen 8.30 Uhr — hatten sich die Autopilger des Eichendorfer Seniorenclubs vor dem Eichendorfer Pfarrzentrum verabredet, um sich mit einer großen Abordnung, etlichen Pferdestärken und aufgeteilt in Fahrgemeinschaften auf den Weg zum diesjährigen Wallfahrtsort zu machen. In Aldersbach wurden die eintreffenden Wallfahrer, die sich auch von einem platten Reifen nicht von ihrem Vorhaben abbringen ließen, von Stephanie Altmann und später auch von Pater Joshy und Gesamtpfarrgemeinderatsvorsitzendem Franz Ratzisberger über ihre Speisewünsche für das Mittagessen befragt.
Pfarrer Wild führte durch die Asamkirche
Vor der barocken Klosterkirche, die seit der Altarweihe am 24.11.2024 wieder geöffnet ist und ihr Patrozinium an Mariä Himmelfahrt feiert, wartete Pfarrer und Kirchenführer Sebastian Wild schon auf die Pilgergruppe. Wie sich schnell zeigte, war sein langer dunkler Rauschebart das einzige, das seinem Familiennamen ein wenig gerecht werden konnte. Mit seiner sympathischen Art, seinem wunderbaren bayerischen Dialekt und seinem umfangreichen Wissen über das prächtige Gotteshaus und seine Geschichte(n) begeisterte er seine Zuhörerinnen und Zuhörer auf Anhieb. Ab dem Jahr 1720 begannen die Aldersbacher Mönche den Bau der heutigen Kirche, der Stellung des rasant wachsenden Zisterzienserkloster gemäß mit einer ziemlich großen Außenhülle durch Domenico Magzin, völlig ohne Schmuck und Einrichtung im Inneren. Diese leere Wandpfeilerhülle vertrauten die Aldersbacher Mönche den Gebrüdern Asam zur Ausgestaltung an. Cosmas Damian und Egid Quirin waren damals in Bayern noch völlig unbekannt, was sich aber durch die Ausgestaltung des Aldersbacher Rohbaus zu einer stattlichen Barockkirche rasch änderte und den beiden Brüdern viele Aufträge in namhaften Kirchen verschaffte. Auch in Aldersbach waren die beiden Brüder nicht alleine tätig. Sie wurden von ihrer älteren Schwester Maria Salome und vielen namhaften Kollegen unterstützt, etwa von Joseph Deutschmann, Matthias Götz oder Kaspar Grießemann, einem begnadeten Holzschnitzer und Mönch des Klosters. Pfarrer Wild unternahm mit den Pilgern eine abwechslungsreiche Reise durch das Gotteshaus, ausgehend vom großen Hauptfresko, das die Weihnachtsvision des Heiligen Bernhard, dem Begründer des Zisterzienserordens, zeigt.
Das “Aldersbacher Schwaiberl”
Die weitere Aufteilung und Einrichtung der Kirche war nicht mehr nur der Verherrlichung Gottes, sondern vor allem auch ihrem praktischen Zweck als Klosterkirche geschuldet. So greifen die Seitenaltäre die Richtung der Kirche zum Hochaltar auf, weil sie von hinten nach vorne immer prächtiger werden, obwohl sie einem ganz anderen Umstand geschuldet sind. Zur Blütezeit wohnten im Kloster in Aldersbach auch sehr viele Priestermönche. Und jeder Priester muss nach der Ordnung der katholischen Kirche bis heute einmal täglich die Heilige Messe feiern. In der Barockzeit war allerdings eine sogenannte Konzelebration, die Messe mit mehreren Priestern nicht erlaubt, so dass den Mönchen nichts anderes übrigblieb, als nacheinander die Heilige Messe zu feiern. Um diesem Umstand zu begegnen, wurden in allen Klosterkirchen der damaligen Zeit Seitenaltäre eingebaut, die es ermöglichten, mehrerer Messen gleichzeitig zu feiern. Schließlich wollten die Mönche, die zwölf Stunden vor der Feier der Messe nüchtern zu bleiben hatten, spätestens am frühen Vormittag ihre erste Mahlzeit des Tages zu sich nehmen. Weiter wusste Pfarrer Wild unter anderem amüsant zu berichten, wie das sogenannte Laiengestühl, das heute fester Bestandteil einer jeden Kirche ist, in der Asamkirche, die nach der Säkularisation, der Verstaatlichung von Kirchengütern 1803, in der Gefahr war, zum Pferdestall degradiert zu werden, zum Einbau gelangte und welchen juristischen Trick die Aldersbacher Bürger dafür angewandt hatten.
Auch — aber nicht nur — über das geschnitzte Chorgestühl, den Hochaltar, der voller raffinierter Technik steckt, und dessen Altarbild eine Besonderheit, die sogenannte “lactatio” zeigt, die Kanzel, die die vier damals vier bekannten Erdteile in den kleinen Engeln auf dem Schalldeckel der Kanzel symbolisch darstellt, die Beichtstühle, die besonders an den vorderen beiden Seitenaltären sehr kunstvoll gestaltet sind und die den Sünder auf sehr bildliche Art und Weise auf die Folgen seines schlimmen Tuns hinweisen, wusste der Kirchenführer interessante Details zu berichten. Selbstverständlich waren die Pilger auch eingeladen, sich in der barocken Fülle der Asamkirche noch auf die Suche nach dem “Aldersbacher Schwaiberl” zu machen. Das legendäre Vöglein, das gleichzeitig ein Symbol für Maria und für die Auferstehung ist, sitzt auf einem Holzstab, der aus einem runden Fenster im Hauptfresko ragt. Und wer noch genauer hinschaute, konnte unweit davon auch das Schwalbennest mit den Zöglingen entdecken.
Anschließend wurde ein feierlicher Gottesdienst gefeiert
Die Mesnerin von Aldersbach, Christine Feyrer, hatte — als die drei Radgruppen zur Führung eingetrudelt waren — schon alles für die Feier des Heiligen Amtes vorbereitet. Punkt 11.00 Uhr ertönte dann die Sakristeiglocke und Pfarrer Sebastian Wild zog mit seinen beiden Konzelebranten Pater Joshy und dem Eichendorfer Pfarrvikar Pater Jipson in das Presbyterium ein. Nach der Laudatio, dem Schuldbekenntnis und den Kyrierufen trug Gemeindereferentin Gertraud Dickgießer die in der Leseordnung vorgesehene alttestamentliche Lesung (Jesaja 55,1−3) vor. Wie im Schlaraffenland hörte sich das an: „Kommt und kauft ohne Geld!“, verkündete der Prophet damals im Namen Gottes. Essen und Trinken gibt es ohne Bezahlung, Speisen und Getränke zum Nulltarif. Das Leben in Fülle gratis. Ganz passend zur Kirchenführung von Pfarrer Wild. Anschließend verkündete Pater Jipson das Evangelium vom 18. Sonntag im Jahreskreis (Matthäus, 14,13−21). Auch dort ist Gott mehr als verschwenderisch. Brot und Fisch für alle, und es bleibt noch körbeweise übrig. Pater Joshy ging in seiner Predigt auf die Frohe Botschaft ein und stellte fest, dass außer Frage stehe, dass für Jesus, den Sohn des allmächtigen Gottes, nichts unmöglich sei. So hätte sich eigentlich schon damals niemand wundern müssen, als die Wunder passiert sind. Er rechnete den Anwesenden — mit einem strahlenden Blick in den gut besetzten Kirchenraum — ganz einfach vor, dass damals gewiss 35.000 Menschen (5.000 Männer, 10.000 Frauen und 20.000 Kinder) gekommen waren, um Jesus — dem zur damaligen Zeit bereits weithin bekannten Lehrer, Wundertäter und mutmaßlichen Messias — zuzuhören.
Wie aus wenig viel werden kann
Der Prediger betonte in seiner Ansprache die wichtige Rolle der Frauen für die Gesellschaft, die Kirche und den Glauben und meinte, dass es ein Wunder gewesen sei, wenn die meist doch sehr fürsorglichen Frauen, die zudem in der Mehrzahl waren, ihren geliebten Männern und Kindern nichts zum Essen eingepackt hätten. Wo doch auch hinlänglich bekannt gewesen sei, „dass Jesus‘ Predigten wesentlich länger dauerten als die meinen!“, schmunzelte Pater Joshy. Und dann habe es bloß einen kleinen Buben gegeben, der seine fünf Gerstenbrote und zwei Fische mit den anderen teilen wollte. Bloß einen, der kein Egoist war. Vielleicht sei ja auch das das Wunder gewesen: Dass die anderen — nachdem Jesus das, was für so viele so wenig gewesen sei, in der ersten Reihe ausgeteilt hatte — auch angefangen haben, das, was sie dabei hatten, mit den anderen zu teilen. Und dann seien — nachdem alle satt waren — auch noch zwölf Körbe voll Brot übriggeblieben. Für jeden Apostel quasi einer. „Heute braucht es gar keine Wunder mehr! Es ist nur notwendig, dass diejenigen, die etwas haben — sei es Zeit, Kraft, Mut, Erfahrung, Glauben etc. -, es einfach mit denen, die nichts oder nicht so viel davon haben, teilen!“, beendete der Geistliche seine Predigt, die auch ohne die gewohnte Frage zum Schluss, zum Nachdenken anregte.
Nach den Fürbitten, die Sebastian Albert vortrug, wurde gemeinsam der Höhepunkt des Wallfahrtstages — die Eucharistie — gefeiert. Zum Schluss des feierlichen Gottesdienstes, dessen musikalische Gestaltung Organist und Kantor Lukas Salzberger an der prachtvollen Kirchenorgel (einem Nachbau der Originalorgel, deren Gehäuse nach einem Stadtbrand nach Vilshofen a.d.Donau gebracht und dort eingebaut worden ist) übernommen hatte, spendete Hauptzelebrant Sebastian Wild allen Anwesenden und ihren Angehörigen den Segen und bedankte sich auch im Namen seiner Pfarrei ganz herzlich für die Kollekte, die der Finanzierung des von der Pfarrei Aldersbach zu schulternden Kostenanteils der erfolgreichen und insgesamt gut 15 Millionen teuren Generalsanierung, die begrifflich an die Darstellung der Tempelreinigung im Eingang zur Asamkirche erinnert, Verwendung finden wird. Dazu sei angemerkt, dass die beiden anderen Teile zum einen der Freistaat Bayern und zum anderen (unterstützt mit sichtlich gut angelegten Kirchensteuermitteln) die Diözese Passau getragen hat.
Wirtshausbesuch und Brauereiführung rundeten den Tag ab
Seelisch sowie kulturell und historisch mit vielen weiteren Informationen bestens gestärkt hatten die Wallfahrer die Gelegenheit, neben dem prächtigen Kirchenschiff und dem Presbyterium auch noch die Loreto-Kapelle und die ebenfalls wohltuend kühle Gruft zu besichtigen, in der — so Pfarrer Wild — noch Platz wäre. Dann durfte natürlich — ganz im Sinne der erschlossenen Texte aus der Heiligen Schrift — die leibliche Stärkung für die Männer, Frauen und Kinder nicht fehlen. Nur ein paar Meter weiter ist das Gasthaus Mayerhofer gelegen, dessen flotte Bedienungen die — schon aufgrund der hohen Temperaturen und der schwülen Witterung — durstigen Wallfahrer schnellstmöglich mit kühlen Getränken versorgten. Pater Joshy, Pfarrer Wild und Pater Jipson luden zum gemeinsamen Tischgebet ein. Und Schritt für Schritt verließen dann auch die bestellten Salate mit Putenstreifen, Currywürste, Wiener Schnitzel und viele weitere Köstlichkeiten die Küche des Traditionsgasthofes, in dessen Metzgerei man auch die weiter über die Passauer Landkreisgrenze hinaus bekannten Rosenkranzwürste erwerben kann.
Pater Joshy sprach anschließend allen, die zum Gelingen der Radwallfahrt beigetragen hatten, ein herzliches „Vergelt’s Gott!“ aus, ganz besonders seinem Kollegen Sebastian Wild für die Kirchenführung und die Hauptzelebration des Heiligen Amtes, Franz Ratzisberger, der als ursprünglicher Aldersbacher die diesjährige Wallfahrt federführend und perfekt organisierte, und Sebastian Albert, der das Online-Anmeldetool zur Verfügung gestellt hatte. Nachdem damit der offizielle Teil beendet war, spazierten mehr als ein Dutzend der Teilnehmer zum Infopoint an der Orangerie, wo Ute Mauritz-Sporrer bereitstand, um die verbliebenen wissensdurstigen Pilger aller Generationen bei laufendem Betrieb auf charmante Weise durch die Aldersbacher Brauerei zu führen. Dort gab es viel zu lernen, etwa über das am Sankt-Georgs-Tag 1516 von den bayerischen Herzögen Wilhelm IV. und Ludwig X. erlassene Reinheitsgebot, dass die Aldersbacher Brauer ihr Wasser aus dem brauereieigenen Brunnen und den Hopfen (in Form von Pellets) sowie die Gerste mit dem richtigen Proteingehalt (die die Führungsteilnehmer in Form des gerösteten Malzes auch probieren durften) aus der Region beziehen, was Craft-Biere und Trebern sind, was es mit der ober- und untergärigen Hefe auf sich hat und dass es zur Herstellung eines Liters des kostbaren Gerstensaftes knapp 25 Liter reinen Wassers bedarf. Besonders beeindruckt zeigten sich die Führungsteilnehmer von den großdimensionierten Räumlichkeiten der Brauerei, so zum Beispiel von den riesigen Kesseln im Sudhaus und von den zwölf gigantischen Behältern, die jeweils 85.000 Liter kühles Bier speichern.
Nachdem der Wissensdurst gestillt war, klang die Wallfahrt für die einen im Asamcafé und für die anderen im schattigen Teil des Bräustüberl-Biergartens aus. Anschließend machten sich die Wallfahrer wieder auf die Heimreise. Höchst zufrieden schmiedeten einige der begeisterten Radler schon die ersten Pläne für die nächstjährige Pedal-Wallfahrt, deren Stattfinden Pater Joshy aufgrund der hervorragenden Resonanz zur Freude aller bereits beim Mittagessen in Aussicht stellte.
Bericht und Fotos: Ulrich Altmann

