Die Gottesdienstbesucher waren schon gespannt, was sie am Aschermittwochabend (18.02.2026) in der Pfarrkirche Sankt Martinus erwartet. Das Presbyterium war - der liturgischen Farbe der Fastenzeit entsprechend - mit violetten Licht beleuchtet.
Wo sonst der Heilige Martin, der Patron der Pfarrkirche — hoch zu Ross, mit seinem Schwert den Mantel teilend für den beinamputierten Bettler, der hoffnungsvoll zu seinem Wohltäter aufblickt ‑, im Blatt des Hochaltars zu sehen ist, war ein anderes Kunstwerk zu sehen: Das Fastentuch, das die Künstlerin Romy Hanauer aus Galgweis gestaltet und den Eichendorfern im vergangenen Jahr geschenkt hat. Nach dem Kreuzzeichen begrüßte Pater Joshy seine Gemeinde zum Gottesdienst ganz herzlich. Es war ihm sichtlich eine große Freude, den durchaus zahlreichenden Mitfeiernden zusammen mit Pater Jipson das Kunstwerk neuerlich zu präsentieren. Das mehrteilige Kunstwerk aus bunt bemalter Leinwand und violettem Stoff verdeckt auch heuer während der Fastenzeit — in der das Allerheiligste seinen Platz im quaderförmigen Tabernakel in der Sebastianikapelle einnimmt — einen Teil des Sockels des Hochaltares, das Altarblatt und den dortigen Tabernakel. Es wächst gewissermaßen aus dem Teil des Fastentuches hervor, das den Volksaltar säumt. Passend dazu hat die aus Enzerweis stammende Künstlerin, die eine geborene Dullinger ist, für dieses Jahr eine neue Umhüllung für den Ambo entworfen und umgesetzt, in der sie das Thema „Frieden“ in den Mittelpunkt gestellt hat.
In der Fastenzeit drei Organe untersuchen
Nach den beiden von Ulrich Altmann vorgetragenen Lesungen verkündete Pater Jipson das Matthäusevangelium, in dem die drei zentralen Werke der Frömmigkeit (Almosengeben, Beten, Fasten) ausformuliert werden. Diese drei „Frömmigkeitsübungen“ standen im Zentrum der pharisäischen Lehre. Jesus griff sie auf, zeigte jedoch auf, wie er sich deren Ausübung vorstellt: Es gehe um die innere, die verborgene Einstellung, die bei Gott zähle und von ihm auch belohnt werde.
„Als ich vor Kurzem zu Hause war, sagte ein befreundeter Arzt zu mir: ‚Joshy, bedenke, dass du jetzt 56 Jahre alt bist. Bitte lass Dich doch mal allgemein gesundheitlich untersuchen!‘ Seine Worte brachten mich zum Nachdenken, und so ließ ich mich untersuchen!“, startete Pater Joshy seine Predigt. „Dabei wurde mir klar, was ich alles ändern, wo ich abnehmen oder was ich vermeiden muss, um weiterhin gesund zu leben. Bedenke, Mensch: Die Fastenzeit ist eine Zeit für einen ‚spirituellen Gesundheitscheck‘, fuhr der Prediger mit einem Augenzwinkern fort. „In dieser Fastenzeit lade ich euch ein, drei Organe ganz speziell zu untersuchen: Kopf, Herz und Darm.“
„Wie christlich sind deine Gedanken wirklich?“
Mit „Kopf“ meine er, jeder sollte seine Gedanken prüfen. Was sind die treibenden Gedanken in mir? Worum kreisen sie meistens? Ob Gutes oder Schlechtes — alles entstehe aus dem Denken. „Wir werden zu dem, was wir denken. Was wir sagen oder tun, hat seinen Ursprung in unseren Gedanken. Die Fastenzeit sagt uns: Bedenke, Mensch! Bedenke dein Leben, deinen Glauben, dein Verhalten, deine Anschauung. Bedenke: Wie christlich sind deine Gedanken wirklich? Um nachdenken zu können, musst du dich jedoch hin und wieder aus dem lärmenden Alltag zurückziehen!“
Nach dem Kopf solle jeder das Herz untersuchen. „Wofür schlägt mein Herz? Ist es gesund und voller Liebe oder ist es krank vor Hass und Neid? Ist mein Herz ruhig und voller Hoffnung oder unruhig vor lauter Angst? Wie viel Platz haben Mitleid und Nächstenliebe in meinem Herzen? Welche Farbe hat mein Herz?“
Stirn wurde mit Aschenkreuz bezeichnet
Der Darm schließlich habe die Hauptfunktionen der Verdauung und Nährstoffaufnahme. „Was ist in mir noch unverdaut? Welcher Streit, welche Auseinandersetzung, welcher Schmerz oder welche bittere Erfahrung liegt mir noch schwer im Magen? Welchen Menschen ertrage ich nicht und warum? Was ‚stinkt‘ in mir, weil diese oder jene Erfahrung noch nicht aufgearbeitet ist?“ „Bedenke, Mensch, dass du letztendlich Staub bist. Wenn wir alle aus demselben Staub erschaffen sind — worauf bilden wir uns dann etwas ein?“, wandte sich Pater Joshy fragend an seine Zuhörer. Die Fastenzeit sei auch eine Zeit, um Staub zu wischen — überall dort, wo es staubig geworden sei: „In deinen Gedanken, in deinen zwischenmenschlichen Beziehungen, in deinem Glaubensleben, in deinem Herzen und in deiner Weltanschauung. Bedenke Mensch: Ab heute beginnt die Fastenzeit — eine Zeit für einen ‚spirituellen Gesundheitscheck‘!“, schloss der Pfarradministrator seine Predigt. Anschließend ließen sich die Gläubigen von ihrem Pfarradministrator und ihrem Pfarrvikar — gesanglich begleitet von Lydia Schropp auf der Orgelbank, die auch die musikalische Gestaltung des Gottesdienstes innehatte — die Asche auflegen und mit dem Kreuz bezeichnen, bevor der Lektor eine Meditation zum Thema „Frieden“ vortrug.
Fastentuch lädt zur Betrachtung und Meditation ein
Nach der gemeinsamen Eucharistiefeier mit dem Schlusssegen bedankte sich Pater Joshy bei der Künstlerin Romy Hanauer, die leider nicht anwesend sein konnte. Die Anwesenden spendeten der Künstlerin ihren Applaus. „Mit diesem Fastentuch laden wir Dich ein, zur Ruhe zu kommen und weiteren ‚Spuren des Friedens ‘ in Deinem Leben nachzuspüren!“, entließ Pater Joshy die Gottesdienstgemeinde in den späten Abend. Während der Fastenzeit sind alle, die wollen, ganz herzlich in die Pfarrkirche Sankt Martinus eingeladen, um das Fastentuch zu betrachten, zu beten und zu meditieren. Als kleine Hilfestellung liegen vor der Marienstatue Texte zum kostenlosen Mitnehmen auf. Außerdem kann man die Gedanken, die Pater Joshy zum Fastentuch vorgetragen hat, auf einem Manuskriptständer in der Nähe des Ambos in Ruhe nachlesen und auf sich wirken lassen. Zudem sind alle eingeladen, zumindest solange der Vorrat reicht, sich einen der unter der Kanzel präsentierten Handschmeichler auszuwählen und gegen eine Spende, die der Pfarrkirche zugute kommt, mit nach Hause zu nehmen. Pater Joshys Dank galt neben der Künstlerin und allen anderen, die den Gottesdienst mitgestaltet hatten, dem Eichendorfer Kirchenpfleger Albert Steinhuber, Gesamt-Pfarrgemeinderatsmitglied Sebastian Albert aus Hartkirchen und Stephanie Altmann vom Eichendorf Mesnerteam, die ihn auch heuer bei der Umsetzung der „Fastentuch-Idee“ in die Praxis wieder tatkräftig unterstützt haben.
Bericht und Fotos: Ulrich Altmann

